Bahngewerkschaft EVG: Politik muss sich aus Tarifkonflikt raushalten

Regionalzug der Deutschen Bahn | Foto: EVN

Die Eisenbahn- und Verkehrs­gewerkschaft (EVG) hat Bundes­verkehrs­minister Andreas Scheuer (CSU) und andere Politiker in einem Brief zur Zurück­haltung im Tarif­streit bei der Deutschen Bahn aufgefordert.

BERLIN | Nach Ansicht der EVG gehe es der kleineren Konkurrenz­gewerkschaft GDL in der aktuellen Auseinander­setzung mit dem Staatskonzern „nur bedingt um materielle Forderungen“, vielmehr würden „politische Ziele“ im Vordergrund stehen. Das geht aus einem Schreiben des EVG-Vorsitzenden Klaus-Dieter Hommel hervor, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. „Dennoch sind wir davon überzeugt, dass diese Tarifrunde ausschließlich durch die Verhandlungspartner selbst gelöst werden muss.“

Aktuelle Versuche, politisch auf die Tarifpartner einzuwirken, seien nicht geeignet, den Konflikt zu entschärfen. „Wir wenden uns mit diesem Schreiben deshalb direkt an Sie und fordern Sie eindringlich auf, jede politische Einmischung in diesen Tarifkonflikt zu unterlassen“, schreibt Hommel weiter. Exemplare des Briefs waren laut Gewerkschaft auch an Parteivorsitzende sowie Spitzenkandidaten und -kandidatinnen verschiedener Parteien adressiert.


Scheuer hatte am Wochenende per Twitter den aktuellen Streik der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) bei der Bahn kritisiert und die Gewerkschaft aufgefordert, an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Auch andere Politiker, etwa der SPD-Abgeordnete Karl Lauterbach, hatten sich kritisch zum Streik geäußert. Unterstützung für die Lokführer­gewerk­schaft kam hingegen unter anderem von den Linken.

Die EVG ist an der aktuellen Tarifrunde nicht beteiligt, weil sie sich schon im vergangenen September mit der Bahn auf einen neuen Vertrag geeinigt hat. Die Lokführer­gewerk­schaft GDL hat sich den Verhandlungen seinerzeit nicht angeschlossen und will nun selbst einen besseren Abschluss erreichen. Am Mittwoch­morgen endet die zweite Streikrunde im Güter- und Personenverkehr. Eine Lösung zwischen den Tarifparteien Bahn und GDL ist weiterhin nicht in Sicht.


Quelle: EVN / dpa