Streik-Ende in Sicht – Bahn bereitet sich wieder auf Normalbetrieb vor

ICE auf freier Strecke | Foto: DB AG / Claus Weber

Der zweitägige Streik der Lokführergewerkschaft GDL endet in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch. Dann standen zum zweiten Mal in diesem Monat erneut für 48 Stunden zahlreiche Personenzüge der Deutschen Bahn im laufenden Tarifkonflikt still.

BERLIN | Wie am Dienstag aus der Berliner Konzernzentrale zu hören ist, bereitet das Unternehmen alles für eine schnelle Normalisierung des Zugverkehrs vor. „Dazu müssen zum Beispiel nachts Züge überführt werden, damit sie zu Betriebsstart am Mittwochmorgen wieder am geplanten Bahnhof losfahren können“, teilte die Bahn mit.

Laut Arbeitgeberseite liegt der Streikschwerpunkt vor allem in den ostdeutschen Bundes­ländern. Zahlreiche Beschäftigte trafen sich unterdessen am Dienstag zu Kundgebungen unter anderem in Köln und in München, um auf ihre Forderungen aufmerksam zu machen.

Die Bahn hat am Montag und Dienstag für alle Reisenden ein Grundangebot von rund 30 Prozent im Fernverkehr aufrechterhalten. Somit fuhr demnach jeder dritte Schnellzug. Im Regionalverkehr waren 40 Prozent der Züge im Einsatz, je nach Region gab es mit Blick auf das Angebot aber große Unterschiede. So geht die Bahn davon aus, dass in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen nur 10 bis 15 Prozent der Züge fuhren, anderswo dagegen deutlich mehr.

70.000 Menschen hätten sich über die zuvor eingerichtete Streik-Hotline über die Auswirkungen auf die eigene Reise informiert, hieß es von der Bahn. Zahlreiche Fahrgäste hätten ihre Fahrt auf den Sonntag vorgezogen. Das große Chaos an den Bahnhöfen blieb somit aus, auch wenn es an Bahnsteigen und in den fahrenden Zügen durchaus voll werden konnte.


Noch bis zum 4. September behalten vom Streik betroffene Tickets ihre Gültigkeit. Das gilt der Bahn zufolge auch für solche Fahrten, die am Mittwoch noch von den Folgen des Streiks betroffen sind.

Die Lokführergewerkschaft will mit dem Streik Druck machen für höhere Einkommen und bessere Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten. Es ist die zweite Streikrunde im laufenden Tarifstreit. Anders als beim ersten Ausstand in der vorletzten Woche hatten Fahrgäste nun einige Tage mehr Zeit, um sich vorzubereiten. Die GDL hatte die Maßnahmen am Freitag angekündigt. Seit Samstag wurde zudem der Güterverkehr bestreikt.

Die Gewerkschaft fordert unter anderem 3,2 Prozent mehr Geld sowie eine Corona-Prämie von 600 Euro. Im Hintergrund geht es aber auch um einen Machtkampf zwischen der GDL und der größeren Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG). Die Lokführer-Gewerkschaft sieht ihren Einfluss aufgrund des Tarifeinheitsgesetzes gefährdet. Dem Gesetz zufolge gelten in Betrieben mit mehreren Gewerkschaften nur die Tarifverträge der größeren Arbeitnehmervertretung.

GDL-Chef Claus Weselsky verteidigte am Dienstag im ARD-„Mittagsmagazin“ erneut die Streik­aktionen und auch den rauen Ton zwischen den beiden Gewerkschaften. „Das Betriebsklima war bereits vorher beschädigt und zwar aufgrund der Handlungen der Manager und aufgrund der Handlungen von EVG-Funktionären, die in den Aufsichtsräten diesen Kurs abgenickt haben“, sagte er.


Quelle: EVN / dpa