Beamtenbund zu GDL-Streik: Von überzogenen Forderungen kann keine Rede sein

Heini Schmitt, Landesvorsitzender dbb in Hessen | Foto: Imago / Ralph Peters / dbb

Der Landesverband Hessen des Deutschen Beamten­bundes (dbb) hat sich solidarisch mit den Mitgliedern der Gewerk­schaft Deutscher Lokomotiv­führer (GDL) gezeigt.

FRANKFURT | „Wir unterstützen ausdrücklich die Forderungen unserer Mitglieds­gewerk­schaft“, sagte der dbb-Landesvorsitzende Heini Schmitt am Dienstag. Er kritisierte zugleich die öffentliche Darstellung des Streiks: „Da wird sehr viel sehr verzerrt dargestellt.“ Nach seiner Auffassung war es die Bahn, die in den Verhandlungen nach fast einem halben Jahr auf ihrem völlig unzureichenden Angebot beharrte und deswegen die GDL zwang, sie als ergebnislos platzen zu lassen. Die jetzige Behauptung, die Gewerkschaft sei Schuld, bezeichnete Schmitt als „frech“.

Ein Streik sei immer das äußerste Mittel, das Gewerkschaften zur Verfügung stehe, betonte Schmitt. „Aber er ist eben auch ein unvermeidbares und legitimes Mittel, wenn Arbeitgeber ihrer Verantwortung gegenüber den Mitarbeitern überhaupt nicht gerecht werden wollen.“


Auch wenn GDL und Bahn bei erster Betrachtung mit 3,2 Prozent nicht weit voneinander entfernt lägen, mache die Laufzeit einen deutlichen Unterschied: Denn 3,2 Prozent in 28 Monaten, wie sie die GDL fordert, würde einen Lohnzuwachs von 1,37 Prozent pro Jahr bedeuten; bei einer Laufzeit von 40 Monaten, wie von der Bahn angeboten, allerdings nur noch 0,96 Prozent. Betrachte man die aktuelle Inflationsrate, die im Juli bei 3,8 Prozent lag, könne von überzogenen Forderungen keine Rede sein, stellte Schmitt klar.

Ebenfalls deutliche Worte fand er für die konkurrierende Eisenbahn- und Verkehrs­gewerk­schaft (EVG), die bereits vor einem Jahr einen Tarifabschluss mit der Bahn geschlossen hat – allerdings mit offenkundig niedrigerem Ergebnis als die jetzigen GDL-Forderungen. Das die EVG bereits angekündigt hat, bei einem besseren Abschluss der GDL mit der Bahn nachverhandeln zu wollen, wundert den Landesvorsitzenden des Beamtenbundes in Hessen sehr. „Was ist denn das für eine Art?“, so Schmitt. „Erst wird ein Ergebnis erstritten und den Mitgliedern als Erfolg vermittelt. Später wird dann das eigene Ergebnis in Frage gestellt? Das ist nur schwer nachvollziehbar.“


Quelle: EVN