Abellio-Betriebsrat: „Wir wollen, dass die Züge weiter rollen“

Ein Regionalzug des Bahnbetreibers Abellio | Foto: Imago / Manngold

Im Regionalverkehr hat Abellio sich in den vergangenen Jahren in einigen Bundes­ländern große Marktanteile sichern können. Doch das Geschäft ist verlustreich, derzeit macht die Firma eine harte Sanierung durch. Nun meldet sich ein Arbeit­nehmer­vertreter zu Wort.

BERLIN | Der Betriebsrat des schwer angeschlagenen Bahnunternehmens Abellio hat eindringlich um Hilfe von der Politik gebeten. In einem am Donnerstag veröffentlichten offenen Brief an die Landesregierungen von Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen schreibt Konzernbetriebsrat Jürgen Lapp: „Sichern Sie den Fortbestand von Abellio in Deutschland. Retten Sie 3.100 Arbeitsplätze.“ Der Wettbewerb auf der Schiene dürfe nicht sterben, so Lapp. Der Appell ist auch an die Aufgabenträger gerichtet, also die zuständigen Nahverkehrsverbünde. „Wir wollen, dass die Abellio-Züge weiter rollen“, betont der Betriebsrat. Die Belegschaft brauche Stabilität und eine verlässliche Perspektive.

Die Firma ist seit Juni in einem Schutzschirmverfahren, also einer Sanierung im Rahmen des Insolvenzrechts. Die Zeit drängt: Noch bis Ende September zahlt die Arbeitsagentur die Löhne, danach muss Abellio – Tochter der niederländischen Staatsbahn – das selbst machen. Schon seit 2020 laufen Verhandlungen mit den Nahverkehrsverbünden und damit letztlich auch mit dem Staat. Ein Durchbruch ist nicht in Sicht. Gegenüber der Rheinischen Post hatte der zuständige Sachwalter Rainer Eckert unlängst gesagt, dass der Betrieb nur gesichert werden könne, wenn es eine Einigung über eine wirtschaftliche Ausgestaltung gebe.

Abellio gehört mit Keolis, einer Tochter der französischen Staatsbahn SNCF, und der Transdev-Tochter Nordwestbahn zu den Konkurrenten der Deutschen Bahn, die allesamt unter Druck stehen und Verluste machen. Die Unternehmen monieren Kostensteigerungen, die sie nach eigener Darstellung nicht verschuldet haben: Deutlich mehr Baustellen führten zu Verspätungen und Zugausfällen, für die Strafzahlungen fällig wurden. Auch Schienen­ersatz­verkehr kommt ihnen teuer zu stehen. Zudem ist der Personalbedarf deutlich gestiegen. All das sei beim Abschluss der langfristigen Verträge nicht absehbar gewesen, argumentiert zum Beispiel Mofair, der Verband der Deutsche-Bahn-Konkurrenten.

In Nordrhein-Westfalen liegt der Marktanteil von Abellio im Schienen-Personen-Nahverkehr laut einem Bericht der Nahverkehrsverbünde bei 18,5 Prozent. In Sachsen-Anhalt liegt der Marktanteil laut Abellio sogar bei etwa der Hälfte. Auch in Baden-Württemberg und Thüringen sind viele Abellio-Züge unterwegs, zudem gehen Linien durch weitere Bundesländer. Die 52 Abellio-Linien in neun Bundesländern haben eine Gesamtlänge von 5.428 Kilometern.


Quelle: dpa / EVN