Güterbahnenverband kritisiert Schwarzmalerei wegen Bahnstreiks

Ein Güterzug auf freier Strecke | Foto: Pixabay

Die privaten Güterbahn­betreiber haben Wirtschafts­verbände und die Kommunikations­abteilung der Deutschen Bahn für das Herbei­reden von „zusammenbrechenden Trans­port­ketten“ anlässlich der Bahn­streiks kritisiert.

  Aktualisiert | 27. August 2021, 05.36 Uhr  

BERLIN | „Derzeit muss sich niemand um Versorgungssicherheit sorgen“, sagte der Vorstands­vorsitzende des Netzwerks Europäischer Eisenbahnen (NEE), Ludolf Kerkeling, nach dem Ende der zweiten Streikrunde bei der Deutschen Bahn. Derartige Aussagen würden nur dem Image und den Wachstumschancen Schaden. 

Anlässlich der ersten beiden Streikrunden im aktuellen Tarifkonflikt zwischen der Bahn und der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) hatten mehrere Wirtschaftsverbände vor Engpässen in der Industrie gewarnt.

Ein Dramatisieren der Lage sei unnötig, da deutlich mehr als die Hälfte der auf der Schiene abgewickelten Gütertransporte trotz der streikbedingten Beeinträchtigungen in den letzten Tagen wie geplant an ihre Ziele gelangt seien. „Die Verkehre der Wettbewerber liefen planmäßig und meist zügiger als üblich durch das Netz“, teilte der Verband mit. Selbst die von der GDL bestreikte Bahn-Tochter DB Cargo konnte einen Teil ihrer Verkehre selbst und einen Teil mit Unterstützung von kooperierenden Bahnen fahren, hieß es weiter.


Ein Großteil (78 Prozent) der Bevölkerung wisse zudem nicht, dass mittlerweile etwa 55 Prozent des deutschen Schienengüterverkehrs nicht mehr von der Deutschen Bahn gefahren wird. Das ergab eine vom Netzwerk in Auftrag gegebene repräsentative Umfrage. Der Schnitt des geschätzten Marktanteils lag demnach um die Hälfte niedriger als in der Realität. „Viele Menschen sind daher anfällig für die Mär zusammenbrechender Lieferketten“, so Kerkeling. Und der Wettbewerb im Schienengüter­verkehr soll weiter wachsen: „Wir wollen bald schon sechs von zehn Güterzügen fahren“, kündigten die Bahnkonkurrenten an.

Das Netzwerk betonte, man werde sich auch künftig in der Tarifauseinandersetzung neutral verhalten. Um das Vertrauen in die Schiene zu stärken, wäre es allerdings für die ganze Branche gut, wenn schnell eine Lösung gefunden würde. Die Lokführergewerkschaft GDL hatte zuletzt zweimal den Güterverkehr von DB Cargo bestreikt und damit für einen mehrtägigen Stillstand vieler Züge gesorgt.


Quelle: EVN