Unfallermittler: Entgleister Güterzug in Niederlahnstein war deutlich zu schnell

Unfallstelle nach dem Bahnunglück in Niederlahnstein im August 2020 | Foto: Rhein-Lahn-Kreis

Der vor fast einem Jahr bei Koblenz in Rheinland-Pfalz entgleiste Güter­zug ist laut der Bundes­stelle für Eisenbahn­unfall­untersuchung (BEU) zu schnell gewesen.

  Aktualisiert | 27. August 2021, 19.40 Uhr  

NIEDERLAHNSTEIN | Statt wie vorgegeben mit Tempo 40 sei er mit Tempo 62 durch einen Weichenbereich des Bahnhofs in Niederlahnstein gefahren, wie die Unfallermittler im Zwischenbericht schreiben. Sechs von acht Kesselwagen voller Diesel kippten hier am 30. August 2020 um, aus zwei beschädigten Waggons liefen große Mengen des Kraftstoffs aus. Das Erdreich musste ausgetauscht und das Grundwasser aufwendig geschützt werden.

Im Zugsicherungssystem PZB war zudem eine falsche Zugart mit einer anderen zulässigen Höchstgeschwindigkeit eingestellt worden. Laut dem Bericht war der Güterzug eines privaten Betreibers auch schon vorher zwischen Köln und Koblenz wiederholt zu schnell gewesen – mit bis zu 107 statt wie vorgesehen maximal 90 Kilometern pro Stunde. Bahnblogstelle hatte bereits im Mai über das Fehlverhalten des damaligen Lokführers berichtet.


Im Rahmen der Unfalluntersuchung stellten die Unfallermittler bei Messungen des Oberbau­zustands zudem mehrere Richtungsabweichungen der Solllage fest.

Die BEU in Bonn betont, die Untersuchungen seien noch nicht abgeschlossen. Informationen des Zwischenberichts könnten jederzeit Änderungen unterliegen und müssten noch nicht vollständig sein.


Quelle: EVN / dpa