Bahnchef kritisiert Umgangs­ton der GDL – Lutz: „Weselsky will Beleg­schaft bewusst spalten“

Richard Lutz, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bahn | Foto: DB AG / Pablo Castagnola

Bahnchef Richard Lutz erwartet eine Fortsetzung des Tarifkonflikts mit der Gewerk­schaft Deutscher Lokomotiv­führer (GDL) und erhebt schwere Vorwürfe gegen dessen Vorsitzenden.

BERLIN | Würde es nur um tarifliche Fragen gehen, hätte man schnell eine Einigung. In Wahrheit gehe es um Macht, sagte Lutz dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (Samstag­ausgaben).

Die Lokführergewerkschaft GDL wolle der konkurrierenden Eisenbahn- und Verkehrs­gewerkschaft (EVG) Mitglieder abjagen, „um selbst mehr Einfluss im Unternehmen zu bekommen.“ Dies hält der Bahnchef allerdings für nicht erfolgsversprechend. „In den Bereichen Infrastruktur, Verwaltung, Instandhaltung und Werkstätten spielt die GDL zahlenmäßig keine Rolle – und da sehen wir auch keine Bewegung.“ Die GDL-Spitze habe sich „mit ihrer Expansionsstrategie verrannt“, so Lutz.

Auch kritisierte der Bahnchef den Umgangston, mit dem GDL-Chef Claus Weselsky den Arbeitskampf führt: „Wie Herr Weselsky in dieser Situation agiert und vor allem wie er redet, ist absolutes Gift für das Zusammengehörigkeitsgefühl der Eisenbahnerfamilie. Da werden gerade Wunden geschlagen, die nur schwer wieder verheilen.“ Lutz sagte weiter: „Ich finde es nicht in Ordnung, wenn er bei der Bahn zwischen ehrenwerten und unehrenwerten Berufen unterscheidet und mit Letzterem auch tausende Führungskräfte meint.“ Diese hätten in der Krise auf viel Geld verzichtet. „Denen jetzt vorzuwerfen, dass sie sich die Taschen vollstopfen, ist unredlich und schlicht falsch.“



In den USA habe man gesehen, wohin diese Form des Populismus führen könne. „Ich verstehe nicht, warum ein Eisenbahner, der das Unternehmen seit Jahrzehnten kennt und genau weiß, wie wichtig Zusammenarbeit und Zusammenhalt für das Funktionieren der Eisenbahn ist, die Belegschaft bewusst spalten will.“

Weselsky hatte am Mittwoch weitere Arbeitskämpfe in Aussicht gestellt, sollte die Bahn kein verbessertes Tarifangebot vorlegen. Vorerst aber fährt die Bahn wieder nach Plan. Der zweite Streik in diesem Monat ging in der Nacht zum Mittwoch zu Ende.

Die GDL fordert für ihre Mitglieder in der aktuellen Tarifauseinandersetzung unter anderem 3,2 Prozent mehr Lohn in zwei Stufen sowie eine Corona-Prämie von 600 Euro. Die Bahn will die Tariferhöhung nach den Corona-Verlusten über einen deutlich längeren Zeitraum strecken. Gerungen wird auch um die Betriebsrenten.


Quelle: EVN / dpa / dts Nachrichtenagentur