Lauterbach pocht auf 3G-Regelung in Fernzügen – Fahrgastverband kritisiert Vorhaben

Karl Lauterbach, Gesundheitsexperte der SPD | Foto: Pixabay / Achim Melde

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach fordert die Einführung der sogenannten 3G-Regelung für Passagiere im Fernzugverkehr, obwohl sich mehrere Bundesministerien bereits dagegen ausgesprochen haben.

BERLIN | Dem Sozialdemokraten leuchte es nicht ein, warum in Fernzügen auf den Nachweis einer Impfung, Genesung oder eines negativen Covid-19-Tests verzichtet werde, sagte Lauterbach den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Dienstagausgaben). „Auf den Fernstrecken der Bahn sollte es möglich sein. Dort ist es genauso sinnvoll wie im Flugzeug.“

Wenn Reisende auf längeren Fahrten viel Zeit miteinander auf engem Raum verbrächten, wachse die Corona-Ansteckungsgefahr mit der Delta-Variante. Selbst beim Maskentragen sei das Infektionsrisiko nicht unerheblich. 3G könne hier „eine gewisse Sicherheit“ bringen. „Ich würde als Geimpfter jedenfalls nicht gerne längere Zeit neben jemandem sitzen, der die Delta-Variante trägt“, sagte Lauterbach. Zugleich betonte der SPD-Politiker, er sehe „kein Machbarkeitsproblem“ in der Praxis.

Er schlug vor, bei Passagieren ohne 3G-Nachweis genauso vorzugehen wie bei Fahrgästen ohne gültiges Ticket: Wer sich weigere, müsse „den Zug am nächsten Bahnhof verlassen“. Denn infizierte Mitreisende seien für die anderen Fahrgäste eine Gefahr.

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hält weiter an dem Vorhaben fest, wie Regierungs­sprecher Steffen Seibert am Montag in Berlin sagte. Er verwies darauf, dass es in Frankreich seit Anfang August die 3G-Regel im Fernverkehr gebe, Italien werde dies ab Anfang September tun. Dort sei die Regel nicht „unmöglich oder unkontrollierbar“.



Neben der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) stellt sich auch der Fahrgastverband Pro Bahn gegen die Einführung einer 3G-Regelung in Fernzügen: „Vom Gefühl her würden sich viele Fahrgäste zwar eine 3G-Regelung in Fernzügen wünschen, doch diese wäre in der Praxis nicht umsetzbar“, sagte der Ehrenvorsitzende des Verbands, Karl-Peter Naumann, den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Dienstagsausgaben). „Die Überprüfung der 3G-Voraussetzungen würde zu einem massiven Mehrbedarf an Personal und erheblichen Verspätungen im Zugverkehr führen.“

Grundsätzlich dürfte niemand vom öffentlichen Zugverkehr ausgeschlossen werden. Der Fahrgastverband verweist zudem auf die Sicherheit in Zügen: Studien hätten gezeigt, dass „die Ansteckungsgefahr in Zügen nicht erhöht ist.“ Naumann plädiert vielmehr für mehr Impfangebote und Impfungen: „In großen Bahnhöfen sollten Impfstationen eingerichtet werden, um noch mehr Menschen unkompliziert zum Impfen zu bewegen.“

Für eine flächendeckende 3G-Kontrolle in Fernzügen müsste vor der Abfahrt an jeder Tür ein Mitarbeiter den Impfstatus kontrollieren – also mindestens 25 Kräfte pro ICE, sagte Naumann. Im Zug selbst seien die Fahrtzeiten – zum Beispiel in NRW – zwischen den Stationen teilweise zu kurz, um eine solche vollständige Kontrolle zu gewährleisten.

Auch mehrere Bundesministerien haben bereits Bedenken gegen eine Einführung der 3G-Regel zum Schutz vor Corona-Ansteckungen in Fernzügen deutlich gemacht. Eine Durchsetzung wäre „praktisch nicht durchführbar“, heißt es in einem Papier des Verkehrs-, Gesundheits- sowie Innenministeriums, das der Deutschen Presse-Agentur am Montag vorlag. Eine 3G-Regelung, die offensichtlich nicht oder nur sehr eingeschränkt kontrolliert werden könne, liefe „ins Leere“. Auch seien mehrere wissenschaftliche Untersuchungen aufgrund der bestehenden Maskenpflicht im öffentlichen Personenverkehr zu dem Ergebnis gekommen, dass weder das Zugpersonal noch die Fahrgäste im öffentlichen Personenverkehr einem besonderen Infektionsrisiko ausgesetzt seien.


Quelle: EVN / dpa / dts Nachrichtenagentur