Bahn will GDL-Zusagen auch der EVG anbieten – Weselsky äußert Kritik

DB-Logo am Bahntower in Berlin | Foto: DB AG / Volker Emersleben

Nach dem Tarifabschluss mit der Lokführergewerkschaft GDL will die Bahn eine zügige Verständigung mit der Konkurrenzgewerkschaft EVG.

BERLIN | „Wir werden dafür Sorge tragen, dass wenn es eine Abweichung gibt, dass das übertragen wird“, sagte Bahn-Personalvorstand Martin Seiler am Donnerstag. „Ich glaube, es ist möglich, dass wir mit der EVG zeitnah zu entsprechenden Regeln kommen.“

Die Bahn hatte sich mit der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) auf einen Tarif­abschluss verständigt. Er geht in Teilen über den Vertrag hinaus, der im vergangenen Jahr mit der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) geschlossen wurde.

„Wir haben anders abgeschlossen, und zwar höher, sichtbar höher“, sagte GDL-Chef Claus Weselsky. „Wir geben Millionen aus, gehen in den Streik, lassen uns beschimpfen, und am Ende des Tages dürfen wir zuschauen, wie der Tarifabschluss den anderen hinterhergetragen wird.“


Seiler sagte, die EVG habe 2020 Verantwortung übernommen. „Sie hat mitten in der Corona-Krise große Solidarität gezeigt. Von daher ist es mir wichtig, dass keine Mitglieder der EVG in irgendeiner Form schlechter gestellt werden oder Nachteile haben.“

Zwischen Bahn und GDL wurden Lohnerhöhungen von insgesamt 3,3 Prozent für die Beschäftigten vereinbart. Zum 1. Dezember 2021 steigen die Bezüge zunächst um 1,5 Prozent, dann am 1. März 2023 um weitere 1,8 Prozent, wie beide Seiten am Donnerstag mitteilten. Am 1. Dezember erhalten die Beschäftigten außerdem je nach Lohngruppe eine Corona-Prämie von bis zu 600 Euro. Am 1. März 2022 soll eine weitere Corona-Prämie von einheitlich 400 Euro fließen.

Der Chef der größeren Gewerkschaft EVG, Klaus-Dieter Hommel, hatte am Donnerstag angekündigt, dem Unternehmen seinerseits einen Forderungskatalog vorzulegen. „Wir bereiten uns auf Verhandlungen vor, aber auch auf Maßnahmen bis hin zum Arbeitskampf“, sagte der EVG-Chef der Deutschen Presse-Agentur. Mit der jetzigen Klarstellung will die Bahn einem weiteren Tarifkonflikt mit der zweiten Gewerkschaft vorbeugen. 


Quelle: EVN / dpa