Abellio will Verkehre in NRW aufgeben – Beratungen am Freitag

Auf dem Abstellgleis stehende Triebzüge von Abellio NRW | Imago / Rüdiger Wölk

BERLIN / ESSEN | Die kriselnde Privatbahn Abellio will verlustreiche Verkehre in NRW abgeben. Die Finanzierung für den Weiterbetrieb der wichtigen Pendlerverbindungen war zuletzt nur noch bis Ende Januar gesichert. Nun hat das Unternehmen ein Angebot vorgelegt.

  Aktualisiert: 03. November 2021, 17.26 Uhr  

Die in Finanznot geratene Privatbahn Abellio will sich nach einem Medienbericht in zwei Jahren von mehreren Strecken in Nordrhein-Westfalen zurückziehen. Über ein entsprechendes Abellio-Angebot wollen die drei NRW-Verkehrsverbünde Rhein-Ruhr (VRR), Zweckverband Nahverkehr Rheinland (NVR) und Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL) an diesem Freitag in ihren Gremien beraten, wie Sprecher von NVR und NWL am Mittwoch auf Nachfrage mitteilten.

Die Funke-Mediengruppe (Mittwoch) berichtet unter Berufung auf den gerichtlich bestellten Sachwalter bei Abellio, Rainer Eckert, dass Abellio den Verkehrsverbünden in NRW vorgeschlagen habe, die betreffenden Linien noch zwei Jahre zu betreiben. Damit sei eine „geordnete Neuausschreibung“ der Verträge möglich, sagte Eckert laut der Zeitung.

Wegen finanzieller Schwierigkeiten war Abellio im Juni in ein sogenanntes Schutzschirm­verfahren gegangen, eine Sanierung im Rahmen des Insolvenzrechts mit einem Sachwalter. Seit längerer Zeit laufen Verhandlungen über die Fortsetzung des Abellio-Nahverkehrs­angebots. Wegen der Krise bei der Privatbahn stand zuletzt auch eine Notvergabe der wichtigen Pendlerstrecken in NRW an ein anderes Bahnunternehmen im Raum. Diese für die Steuerzahler besonders teure Lösung wäre vom Tisch, wenn die Verbände dem Angebot von Abellio zustimmen.

Im September hatten die drei NRW-Verkehrsverbünde und das Unternehmen eine sogenannte Fortführungsvereinbarung geschlossen, die den Bahnbetrieb von Abellio in NRW zunächst bis zum 31. Januar 2022 finanzieren soll.

Laut dem Medienbericht sieht das Angebot vor, dass der Abellio-Gesellschafter – die nieder­ländische Staatsbahn – einen „unteren dreistelligen Millionenbetrag“ als Kompensation für anfallende Verluste zur Verfügung stellt. Ein Abellio-Sprecher bestätigte, dass sein Unter­nehmen ein Angebot vorgelegt habe und bereit sei, „im Falle einer Einigung einen dreistelligen Millionenbetrag zur langfristigen Sicherung der Verkehre zur Verfügung zu stellen.“ Es gehe darum, den Zugverkehr in Nordrhein-Westfalen fortzuführen und die Arbeitsplätze langfristig zu sichern.

Zu dem von der Zeitung beschriebenen Übergangszeitraum von zwei Jahren wollte der Sprecher sich nicht äußern. Auch die Sprecher der drei Verkehrsverbünde verwiesen auf die Vertraulichkeit der Verhandlungen und äußerten sich nicht weiter. Die Entscheidung liege nun bei den Verkehrsverbünden, erklärte der Abellio-Sprecher.

Abellio hat nach eigenen Angaben rund 3.100 Beschäftigte in Deutschland. Die 52 Zuglinien liegen vor allem in Nordrhein-Westfalen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Baden-Württemberg.

In NRW betreibt Abellio unter anderem die RRX-Linien RE 1 und RE 11, die S-Bahn Rhein-Ruhr sowie Strecken im Sauer- und Siegerland. Wie andere Konkurrenten der Deutschen Bahn klagt das Unternehmen über hohe Kosten, die beim Abschluss der langjährigen Verträge mit den Verkehrsverbünden nicht abzusehen gewesen seien.

Andere Bahnstrecken in NRW will Abellio nicht vorzeitig aufgeben. „Die drei anderen Verkehrs­verträge (Ruhr-Sieg-Netz, Niederrhein-Netz und S7) sind für die jeweilige Restlaufzeit abge­sichert, es besteht also langfristige Planungssicherheit und Kontinuität im Fahrgastbetrieb“, sagte Eckert der Funke-Mediengruppe.


Quelle: EVN / dpa