Graffiti-Attacken kosten Verkehrsunternehmen viel Geld

„Dieser Wagen wurde mutwillig beschmutzt“ – Aufkleber zur Information der Fahrgäste | Foto: DB AG / Volker Emersleben

BREMEN / HANNOVER | Graffiti-Kunst ist seit langem eine geschätzte Form der Street Art. Wenn unbekannte Sprayer sich aber auf Zügen verewigen, ist die Begeisterung meist weniger groß. Besonders aufseiten der Verkehrsunternehmen.

Graffiti-Attacken auf Züge des öffentlichen Nahverkehrs finden in Niedersachsen und Bremen fast täglich statt. Wie die Nordwestbahn, die Deutsche Bahn (DB) und die Bundespolizei Hannover auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mitteilten, ist der Trend zwar rückläufig, aber die Zahl der Attacken liegt immer noch auf einem sehr hohen Niveau. „Man wird dem kaum Herr werden können“, sagt Steffen Högemann, Pressesprecher der Nordwestbahn.

In diesem Jahr sei an den Zügen des Unternehmens, die in weiten Teilen Niedersachsens und Bremens verkehren, zusammengerechnet eine Fläche von 4.000 Quadratmetern besprayt worden. Bis zum Ende des Jahres rechne man mit einen Anstieg auf 5.000 Quadratmeter. Das entspricht in etwa der Fläche von 19 Tennisspielfeldern. Besonders betroffen sei das Regio-S-Bahn-Netz im Umkreis von Bremen. Die Entfernung der Graffitis kostet das Unternehmen in diesem Jahr schätzungsweise 125.000 Euro.

Bei der Deutschen Bahn belief sich der Schaden im Jahr 2020 deutschlandweit auf 38 Millionen Euro. „Geld, das die DB lieber zum Nutzen ihrer Kund:innen einsetzen würde“, so eine Sprecherin. Regionale Zahlen liegen nicht vor. Um die Züge vor den Sprühaktionen zu schützen, setzt die DB verstärkt Sicherheitstechnik und Personal zur Überwachung der Zugabstellanlagen ein. Beide Unternehmen arbeiten außerdem mit Schutzfolien auf den Zügen.


Was laut Högemann jedoch präventiv am meisten hilft, ist die schnelle Entfernung der Graffitis. Wenn die Farbe schnell entfernt werde, sei das Graffiti nur kurz für alle zu sehen. Damit biete man den Sprayern keine Plattform und mache sich somit unattraktiv, denn „in unseren Augen sind die Sprayer keine Künstler, sondern Straftäter“, so Högemann.

Trotz der Präventivmaßnahmen ist die Nordwestbahn täglich damit beschäftigt, ihrer Züge von illegal aufgemalter Farbe zu befreien. Für die Reinigung der Züge beschäftigt das Verkehrs­unternehmen zwei Festangestellte, die die Graffitis mithilfe spezieller Pasten entfernen. Pro Fahrzeug dauert das ungefähr einen Tag. Dies ist laut Högemann ein „starker Eingriff“ in den Betriebsablauf, da die Fahrzeuge zur Zeit der Reinigung nicht nutzbar seien. Zu Zugausfällen sei es deswegen aber noch nie gekommen.

Werden die Sprayer von der Polizei gefasst, können sehr hohe Strafen auf sie zukommen, wie Detlef Lenger, Pressesprecher der Bundespolizei in Hannover warnt. „Damit verbauen sich manche ihre ganze Zukunft.“ Denn: Selbst wenn ein Täter noch minderjährig und finanziell nicht in der Lage ist, für den Schaden aufzukommen, kann dieser noch bis zu 30 Jahre nach der Tat geltend gemacht werden.

Außerdem begäben sich die Sprayer durch riskante Aktionen oft in Lebensgefahr. Durch das illegale Betreten der Bahnanlagen oder die Berührung von Oberleitungen käme es zu teils tödlichen Unfällen, so Lenger. Durch Kurse an Schulen versucht die Bundespolizei über die Risiken und Gefahren aufzuklären. Dabei sind selbst aus Sicht von Lenger viele Graffitis handwerklich gut gemacht und toll anzuschauen. „Aber wenn der Eigentümer das nicht will, ist das eine Straftat.“


Quelle: EVN / dpa