Abbruch der alten Friesenbrücke über die Ems beginnt

Die neue Friesenbrücke (links, Visualisierung) wurde der alten Brücke (rechts) optisch nachempfunden | Foto: ARGE Friesenbrücke

WEENER | Lange mussten Anwohner und Reisende an der Ems im Kreis Leer warten, nun kommen die Bauarbeiten an der zerstörten Friesenbrücke bei Weener sichtbar in Gang. Bevor mit dem Rückbau des Stahlbauwerks begonnen werden konnte, hatte noch ein anderer Koloss auf der Ems Vorrang.

Knapp sechs Jahre nachdem ein Frachter die Friesenbrücke über die Ems bei Weener (Landkreis Leer) zerstörte, haben die Vorarbeiten für ein neues Brückenbauwerk begonnen. In den kommenden Monaten sollen die Schienen und die noch übrige Stahlkonstruktion der alten Friesenbrücke zurück gebaut werden, wie die Bahn auf Anfrage mitteilte. Um die Überbauten der Brücke abzubauen soll demnächst ein Schwimmkran in Position gebracht werden. Der Rückbau ist notwendig, da bis 2024 an gleicher Stelle eine neue Friesenbrücke entstehen soll – laut Bahn soll es die größte Eisenbahn-Hub-Drehbrücke Europas werden.

Zurzeit liegt bereits ein Ponton samt Kran vor der Brücke. Dieser werde für die weiteren Arbeiten technisch ausgerüstet, teilte die Bahn mit. Für den Beginn der Rückbauarbeiten musste die Passage des neuen Kreuzfahrtschiffes „Aidacosma“ der Papenburger Meyer-Werft am vergangenen Wochenende abgewartet werden – sonst hätte das Kreuzfahrtschiff beim Manövrieren über die Ems nicht am Ponton vorbei gepasst. „Insgesamt ist vorgesehen, die wasserseitigen Überbauten innerhalb der nächsten Monate zurück zu bauen“, teilte eine Bahnsprecherin mit. Aktuell läuft bereits der Rückbau von Gleisanlagen auf der östlichen Seite der Ems. Über den Beginn der Arbeiten an der Baustelle hatten zuvor mehrere Medien berichtet.

Materialien, die für die vorbereitenden Arbeiten und für die Rückbau vorgesehen werden, sollen laut Bahn größtenteils über die Schiene in den Hafen von Papenburg geliefert werden. Von dort soll ein Teil dann mit dem Schiff zur Baustelle transportiert werden. Anlieferungen mit Lastwagen sollen so nach Angaben des Unternehmens verringert werden.


Die Bauarbeiten sind nun das erste sichtbare Zeichen, dass der Neubau der Friesenbrücke auf dem Weg ist. Bereits Ende Juli hatten Vertreter der Bahn und der Politik einen symbolischen Startschuss für die Bauarbeiten gegeben. Bis der erste Zug rollt, werden aber noch Jahre vergehen. Bevor es überhaupt mit dem Neubau losgehen kann, müssen auch die Strompfeiler der 95 Jahre alten Rest-Brücke abgerissen werden. Der eigentliche Baustart ist dann für April 2022 geplant.

Der Neubau der Friesenbrücke ist nötig, da der niederländische Frachter „Emsmoon“ im Dezember 2015 die geschlossene insgesamt 335 Meter lange Klappbrücke gerammt und weitgehend zerstört hatte. Die Verbindung für Fußgänger, Radfahrer und den Bahnverkehr, eine wichtige Lebensader der Region, ist seitdem unterbrochen. Wer aus Weener westlich der Ems oder Westoverledingen östlich der Ems über den Fluss möchte, muss Umwege in Kauf nehmen.

Lange wurde um die passende Brücken-Variante gerungen. Die neue Brücke, über die auch ein Fuß- und Radweg führen wird, soll nun ein 145 Meter langes, bewegliches Brückenteil haben, das auf einem Drehpfeiler ruht. Binnen sieben Minuten soll sich so die Brücke für Frachter und die Kreuzfahrtschiffe öffnen. Geplant ist, die Brücke zum Fahrplanwechsel 2024/2025 in Betrieb zu nehmen.

Ein deutlicher Wermutstropfen sind allerdings die gestiegenen Baukosten: Nach letzten Angaben gehen die Planer von bis zu 125 Millionen Euro Investitionen aus – zuvor waren mit 66 Millionen die Kosten gerade einmal halb so hoch kalkuliert worden.


Quelle: EVN / dpa