Fahrgastverband: Niedersachsen muss bei Bahn-Ausbau „endlich aktiv werden“

Regionalzug der Nordwestbahn (Archiv) | Foto EVN / Jens Rohde

HANNOVER | Der Fahrgastverband Pro Bahn hat die niedersächsische Landesregierung zu deutlich mehr Anstrengungen für einen attraktiveren Zugverkehr aufgefordert.

„Fahrgäste können sich immer seltener darauf verlassen, pünktlich an ihr Ziel zu kommen“, kritisierte der Verein am Sonntag. Man betrachte mit großer Sorge, dass es weiterhin einen Trend zunehmender Zugausfälle sowie „ständig nicht funktionierende Anschlüsse und unterlassenen Streckenausbau“ gebe. So könne die Bahn kaum mehr Kunden anlocken und ihrer Aufgabe nachkommen, Teil der Verkehrswende zu sein. Man rufe das Land daher auf, „endlich aktiv zu werden und – wie andere Landesregierungen auch – ihren Handlungs­spielraum zugunsten Bahn und Bus auszuschöpfen.“

Mitglieder von Pro Bahn hatten sich zu einer Sitzung zur Situation des Zugverkehrs im Nordwesten getroffen. Mit Blick auf die Klima- und Verkehrsdebatte hieß es: „Die Fahrgast­vertreter sorgen sich, dass immer mehr Kunden von der Schiene ins Auto getrieben und so die ‚Mobilitäts­wende‘ als Teil des Maßnahmen­paketes gegen die Erderwärmung ins Leere läuft.“ Vor allem im Nahverkehr riskiere man, die Chancen der Bahn als umweltfreundliche Alternative zu verspielen. Hier werde vor allem der Personalmangel zu einem wachsenden Problem.

Ein guter Ansatz sei, dass bei weiteren Ausschreibungen für den Nahverkehr nun „verstärkt auch eine dickere Personaldecke“ verlangt werde. „Der Fokus muss aber noch weiter weg vom Preis als wichtigstem Vergabekriterium hin zu mehr messbaren Anforderungen an eine fahrgast­freundliche Qualität“, sagte Malte Diehl vom Landesverband.

Defizite sieht Pro Bahn bei privaten Anbietern im Land wie der Nordwestbahn und dem Erixx. Zuletzt hatte der Verein in Niedersachsen und Bremen allerdings auch den neuen Fahrplan der Deutschen Bahn kritisiert, der im Dezember in Kraft tritt. Die neuen oder verbesserten Verbindungen würden zu mager ausfallen, hieß es Anfang Oktober. Wenn es in diesem Tempo weitergehe, werde das Ziel einer Verdoppelung der Fahrgastzahlen bis 2030 ganz klar verfehlt.


Quelle: EVN / dpa