NRW: Keine Einigung im Streit mit Bahnunternehmen Abellio in Sicht

Eine S-Bahn des Bahnbetreibers Abellio im VRR-Netz | Foto: Imago / Gottfried Czepluch

DÜSSELDORF | In dem Streit mit dem kriselnden Regionalbahnunternehmen Abellio steigt der Druck.

„Wir haben noch nichts, was annehmbar ist“, sagte der Chef des Verkehrsverbundes Rhein-Ruhr (VRR), Ronald Lünser, am Mittwoch im Verkehrsausschuss des NRW-Landtags. Er bezog sich dabei auf Nachverhandlungen mit der Firma, die derzeit eine Form des Insolvenz­verfahrens durchläuft. Abellio macht seit langem Verluste und fordert mehr Geld, um auch in den kommenden Jahren weiterzufahren.

Hintergrund der Forderungen ist die Tatsache, dass Abellio und andere Regionalbahn­unternehmen für einen großen Teil zusätzlicher Kosten nichts können. So wird an den Schienen und Bahnhöfen viel mehr gebaut als früher – deshalb kommt es zu Verspätungen und Ausfällen, wodurch Abellio Strafzahlungen berappen muss. Auch Personalkosten sind stark gestiegen. Durch die Entwicklungen in den vergangenen Jahren wurden Verkehrsverträge für Abellio zum Defizitgeschäft.

Um das Problem zu lösen, ringen Abellio und die Aufgabenträger – also die Nahverkehrs­verbünde – seit langem um die Aufteilung der Verluste. Aus Sicht des VRR ist der Anteil von Abellio, den die Firma gewillt ist selbst zu stemmen, viel zu niedrig – er liege nur bei 13 Prozent der Verluste, die bei Erfüllung aller fünf Abellio-Verkehrsverträge in NRW wohl anfallen würden, so Lünser. Das sei nur ein mittlerer zweistelliger Millionen-Euro-Betrag. Der VRR-Manager machte deutlich, dass dies viel zu wenig sei und dass der Zeitdruck hoch sei. Abellio hat nun bis Freitagnachmittag Zeit, um ein neues Angebot vorzulegen.


Verkehrsministerin Ina Brandes (CDU) gab zu bedenken, dass die Aufgabenträger nicht alle Kosten ausgleichen dürfen: Personalkosten lägen zum Beispiel innerhalb der Risikosphäre eines Unternehmens.

Abellio gehört zur Niederländischen Staatsbahn. Von dem Gesellschafter forderte VRR-Chef Lünser einen signifikanten Beitrag zur Lösung des Problems. Dass es diesen bisher nicht gebe, quittierte er mit Kopfschütteln: „Heute stehen wir bei null Euro und sind damit am weitesten von einem annehmbaren Angebot entfernt.“

Ende Januar laufen Überbrückungsverträge aus. Nun ist die Frage, ob Abellio doch weiter­macht, oder ob andere Bahnunternehmen über sogenannte Notvergaben übernehmen – dann müsste die Abellio Rail GmbH den Markt verlassen. Parallel zu den Verhandlungen mit dem angeschlagenen Unternehmen wurden bereits Schritte für solche Notvergaben eingeleitet.

Bisher stemmt Abellio etwa acht Prozent aller Zugkilometer im Schienen-Personen-Nahverkehr (SPNV) von Nordrhein-Westfalen. Darunter sind der RE1 von Aachen über Köln nach Hamm und S-Bahnlinien in der Region Rhein-Ruhr.


Quelle: EVN / dpa