60 Sekunden Verspätung – Japanischer Lokführer zieht wegen Lohnkürzung vor Gericht

Ein japanischer Hochgeschwindigkeitszug (Symbolbild) | Foto: Armin Forster / Pixabay

OKAYAMA | Japanische Züge gehören zu den Pünktlichsten. Nun aber führte die minutengenaue Zeitmessung zu einem kuriosen Streit: Weil ein Lokführer seinen Zug eine Minute zu spät in die Abstellung gebracht hat, wurde ihm der Lohn gekürzt. Dagegen zog er vor Gericht und fordert umgerechnet nun fast 17.000 Euro Schadensersatz.

Laut einem Bericht der Zeitung Yomiuri Shimbun, sollte der Lokführer im Juni 2020 den Zug im Bahnhof von Okayama in ein Depot bringen, wartete aber am falschen Gleis auf dessen Ankunft. Als er sein Versehen bemerkte, eilte er zum richtigen Bahnsteig, kam dort aber zwei Minuten zu spät an, was schließlich zu einer einminütigen Verspätung bei der Abfahrt und einer einminütigen Verspätung beim Abstellen des Zuges führte.

Wie die Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf den Zeitungsbericht weiter schreibt, zog der Arbeitgeber West Japan Railway daraufhin 85 Yen (rund 65 Cent) vom Gehalt des Lokführers ab. Das Bahnunternehmen begründete die Maßnahme damit, dass er in den zwei Minuten, in denen sich der Umstieg verzögerte, keine Arbeit geleistet habe. Nach einer Beschwerde reduzierte der Arbeitgeber den Lohnabzug auf 43 Yen (rund 33 Cent) – auch diesen Betrag hielt der Lokführer für unangemessen. Schließlich sei er seiner Arbeit nicht ferngeblieben, betonte er. Der Arbeitgeber hält dagegen, es gelte das Prinzip „keine Arbeit, kein Lohn“.


Quelle: EVN