Bahn-Wettbewerber können EVG-Aufregung um geplante Bahnreform nicht nachvollziehen

Gleise und Signale | Foto: Pixabay

BERLIN | Die Verbände Mofair und Netzwerk Europäischer Eisenbahnen (NEE) haben die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) am Rande der Demonstration in Berlin aufgefordert, in der Debatte um eine Bahnreform II verbal abzurüsten.

„Unsere Vorschläge für eine Bahnreform II zielen darauf ab, die desolat geführte Schieneninfrastruktur nach volkswirtschaftlichen und verkehrspolitischen Wachstumszielen und nicht mehr ausschließlich gewinnorientiert zu führen“, sagte NEE-Geschäftsführer Peter Westenberger. Ihm sei schleierhaft, was die EVG daran eigentlich auszusetzen habe. „Die von ihr unverdrossen verteidigte Struktur des einheitlich nach betriebswirtschaftlichen Kriterien geführten DB-Konzerns ist eines der Hindernisse für die Neuorientierung“, erläuterte Westenberger.

Mofair-Geschäftsführer Matthias Stoffregen betonte, dass es darum gehe, „mehr politisches und finanzielles Engagement der Bundespolitik für mehr und bessere Infrastruktur“ zu erreichen. „Dafür braucht die Bahnbranche mehr Leute, nicht weniger“, stellte Stoffregen klar. In dieser Situation von Sozialabbau zu reden, sei völlig neben der Spur. „Allerdings müssen für eine bessere Schiene künftig zwischen Infrastruktur- und Transportsparten der DB unterschiedliche Zielsysteme gelebt werden, denn die DB-Verkehrsunternehmen müssen, wie auch unsere Mitglieder, die Wettbewerbsbahnen, in einem fairen Wettbewerb ihre Angebote erfolgreich im Verkehrsmarkt platzieren.“


Bei den Wettbewerbsbahnen nehme man die „sehr eng auf die DB fixierte Interessen­vertretung der EVG mit Befremden zur Kenntnis“, sagte Westenberger. Davon abgesehen würden mittlerweile auch viele Jobs bei den DB-Infrastrukturen von den Verkehren der Wettbewerber abhängen. Nicht nur DB-Beschäftigte seien gute Beschäftigte, betonte Stoffregen. Die Verbandsgeschäftsführer stören sich daran, dass die Wettbewerber in der Gewerkschaftsrhetorik immer wieder „wie Bahnen 2. Klasse“ behandelt würden.

Vertreter der EVG haben an diesem Dienstag in Berlin zu einer Protestaktion gegen die geplante Aufspaltung der Deutschen Bahn aufgerufen. Auch Grüne und FDP streben eine Reform des Staatskonzerns an. Die SPD ist dagegen.


Quelle: EVN