Modelleisenbahnen gewinnen wieder an Fahrt – mehr Familien an Bord

Dampflok einer Modelleisenbahn | Foto: Wolfgang Helm / Messe Dortmund

DORTMUND | Bei der Messe „Intermodellbau“ gehört die Bühne auch den Modelleisen­bahnen. Viele hatten dem Hobby kaum noch Zukunftschancen eingeräumt. Doch in der Pandemie gibt es wieder Auftrieb. Und: Die oft älteren Herren an den Anlagen haben Fan-Verstärkung bekommen.

Modelleisenbahnen? Die haben viele schon auf dem Abstellgleis gesehen und dem Hobby mit Fans vor allem unter älteren Semestern keine größere Zukunft mehr vorausgesagt. Aber zu der am Mittwoch in Dortmund gestarteten „Intermodellbau“ zeigt sich: Die Pandemie mit unfreiwillig viel Zeit daheim hat neuen Schwung gebracht. Und zum Opa haben sich nach Beobachtungen aus der Branche zunehmend auch Enkel gesellt – nicht selten parallel zum wachsenden Einzug der Digitalisierung. Auch ganze Familien tüftelten inzwischen an den Anlagen, heißt es zur weltgrößten Publikumsmesse für Modellbau und Modellsport (bis Samstag).

Alle Sparten des Modellbaus, auch die Miniatur-Eisenbahn, hatten in der Vergangenheit stark „mit nachlassender Popularität zu kämpfen“, sagt Jürgen Wiethäuper, Vorsitzender des Modellbahnverbands Moba, der Deutschen Presse-Agentur. Die Zahl der Hobby-Eisenbahner sank. Das habe mit dem demografischen Wandel zu tun und „mit der Tatsache, dass die Bahn in den früheren Jahrzehnten wesentlich stärker im Alltag präsent war als heute“. Aber dann kam Corona. „Der Leerlauf im Tagesablauf hat bei vielen Menschen dazu geführt, sich wieder – oder erstmalig – mit dem Hobby Modellbahn und seinen verschiedensten kreativen Facetten zu befassen.“

„Wir gehören zu den Gewinnern der Pandemie“, schildert Eric-Michael Peschel von Märklin. „Im Homeoffice wurde der Keller aufgeräumt, die Modelleisenbahn wieder entdeckt und in Betrieb genommen.“ Und: „Wir sehen immer mehr, dass ganze Familien spielen.“

Bisher hieß es in der Regel, Hobby-Eisenbahner seien vor allem Herren im fortgeschrittenen Alter. Wiethäuper verwahrt sich gegen das in der Öffentlichkeit mitunter gezeichnete Bild des Modellbahners als „wunderlicher Mitmensch“. So was schade natürlich dem Image. Hersteller, Vereine und Verbände arbeiteten daran, der Modellbahn wieder zu ihrem früheren Stellenwert und Anerkennung zu verhelfen, berichtet der Moba-Vorsitzende. „Modellbahn kann ein Hobby für alle Familienmitglieder und über Generationen sein.“

Diesen Trend beobachtet Andreas Reinbold vom Hersteller Faller. „Vor ein paar Jahren haben wir noch gedacht, der Modelleisenbahnbau hat keine Zukunft mehr.“ Aber nicht nur die Pandemie habe wieder Interesse und Umsatz gebracht. „Es gibt weiterhin die Gruppe der älteren Herren, der Tüftler. Sie sind auch für die Branche sehr wichtig. Aber zugleich hat sich das Werteverständnis geändert. Familien wollen wieder mehr zusammen machen.“ Und da gerate die Modellbahn mit ihren vielfältigen Aufgaben und Aspekten in den Blick. „Frauen übernehmen dabei oft das Basteln oder sind der kreative Teil bei der Landschaftsgestaltung.“

Und dann gebe es das „Opa-Enkel-Gespann“, erzählt Reinbold. Auch, weil die Digitalisierung zunimmt. „Wenn der Opa sich mit der digitalen Technik schwertut, kann der versierte Enkel die Umsetzung am PC oder Smartphone via App unterstützen.“ Die digital betriebene Modellbahn sei „das Maß der Dinge“, bestätigt Wiethäuper. Manche Modellbahner blieben allerdings doch ganz bewusst bei der alten, analogen Modellbahn aus den 50er oder 60er Jahren.

Technologischer Fortschritt komme jedenfalls beim Nachwuchs gut an, betont Steffen Kahnt vom Handelsverband Spielwaren (BVS). „Die Digitalisierung lockt viele Kinder. Die sind da fit.“ Jungen seien deutlich häufiger zu begeistern als Mädchen. Grundsätzlich stellt Kahnt fest: Eltern und Großeltern konnten die in der Pandemie neu entdeckten Eisenbahn-Schätze auch deshalb ihren Kinder leichter näherbringen, weil die mehr Zeit hatten. „Die Kinder sind ja sonst normalerweise oft maximal verplant.“

Bei der „Intermodellbau“ präsentieren 325 Aussteller aus 13 Ländern auch viele Modelle aus Segmenten wie Helikopter, Flugzeug, U-Boot, Rennauto, Baumaschine, Lastwagen. Ein Highlight: Flugdrohnen im Plastikball, die im gegnerischen Tor landen sollen – ähnlich wie beim Fußball, aber in der Luft und ferngesteuert.


Quelle: EVN / dpa