Aus für Bahnfirma Abellio? Land NRW will 380 Millionen Euro bereitstellen

Ein Regionalzug des Bahnbetreibers Abellio | Foto: Imago / Manngold

DÜSSELDORF | Monatelang rangen die angeschlagene Bahnfirma Abellio und Nordrhein-Westfalens Verkehrsverbünde um neue Verträge. Doch nun kommt es aller Voraussicht nach anders. Der alternative Weg wird eine teure Sache. Nun meldet sich die Lande­sregierung zu Wort.

  Aktualisiert: 18. November 2021, 16.02 Uhr  

In der Krise des Regionalbahnunternehmens Abellio will die Landesregierung viel Geld bereitstellen, damit der Nahverkehr auch nach einem möglichen Marktaustritt der Firma aufrechterhalten werden kann. Man werde in den kommenden Jahren anfallende finanzielle Schäden von maximal 380 Millionen Euro ausgleichen, heißt es in einem Brief des Landes­verkehrs­ministeriums an den Chef des Verkehrsverbundes Rhein-Ruhr (VRR). Der Brief vom Donnerstag liegt der Deutschen Presse-Agentur vor.

Das Geld soll aus Regionalisierungsmitteln des Bundes kommen. Es soll die Mehrkosten decken, die als Folge von Notvergaben anfallen werden – wenn also andere Firmen im Februar die Abellio-Linien übernehmen und dann deutlich besser bezahlt werden. Dem Vernehmen nach sind dies vermutlich die DB Regio, National Express und eine weitere Firma.

Abellio durchläuft eine Form des Insolvenzverfahrens, das Unternehmen macht seit langem Verluste. Das liegt auch an höheren Personalkosten und Baustellen-Folgekosten, die nach Darstellung von Abellio bei Abschluss der langfristigen Verträge nicht absehbar gewesen seien.


Überbrückungsverträge der Firma laufen Ende Januar aus. Nach wie vor hofft die Abellio Rail GmbH mit ihren 1.080 Beschäftigten darauf, dass die Aufgabenträger neuen, besser bezahlten Verträgen zustimmen und die Firma weitermachen darf. Am Donnerstag betonte das Unternehmen: „Das Angebot von Abellio zur Weiterführung der Verkehre in NRW liegt auf dem Tisch.“ Man stehe bereit, auch künftig einen verlässlichen Betrieb für die Millionen Pendler an Rhein und Ruhr zu gewährleisten. Allerdings empfahl am Mittwoch der Vorstand des VRR, nicht weiter auf die Tochter der Niederländischen Staatsbahn zu setzen, sondern auf die Notvergaben. Das Kontrollgremium soll am Montag entscheiden. Mit der finanziellen Zusicherung des Landes könnte es nun wahrscheinlicher werden, dass der Verwaltungsrat der Beschlussempfehlung des Vorstandes folgt und Abellio Ende Januar den Betrieb einstellt.

Bei der Vorstandsentscheidung gegen Abellio spielte auch eine Rolle, dass Vertreter der Aufgabenträger und das Land einen Präzedenzfall befürchten: Würde Abellio mehr Geld bekommen als dem Unternehmen vertraglich zusteht, könnte das Schule machen und auch andere Firmen der Branche könnten trotz laufender Verträge auf mehr Geld pochen. Hinzu kommt die Tatsache, dass finanzielle Nachzahlungen für Abellio wegen des EU-Wettbewerbs­rechts Grenzen gesetzt sind.

Die Abellio Rail GmbH hat derzeit im Schienen-Personennahverkehr Nordrhein-Westfalens einen Marktanteil von 18 Prozent – also etwa jeder sechste Zugkilometer im Regionalverkehr wird von Abellio-Zügen und S-Bahnen bewältigt. Abellio betreibt zum Beispiel den RE1 von Aachen über Köln nach Hamm und den RE11 von Düsseldorf nach Kassel-Wilhelmshöhe. Auch die S2 von Dortmund nach Essen und die S9 von Hagen nach Recklinghausen sind von Abellio. Es gilt als wahrscheinlich, dass der Übergang von Abellio zu den Nachfolge-Linienbetreibern Ende Januar und Anfang Februar zu Problemen führen wird.


Quelle: EVN / dpa