Verkehrsträger der Zukunft? – EU-Staaten blockieren europäischen Bahnverkehr

Sitzplatz in einem ICE der Deutschen Bahn | Foto: Rainer Sturm

BERLIN | Eigentlich soll die klimafreundliche Schiene der Verkehrs­träger der Zukunft sein – so verspricht es die EU. Doch wie Recherchen des Journalisten­netzwerks Investigate Europe zeigen, wird ein länder­übergreifender Bahn­verkehr von den EU-Staaten selbst verhindert.

Der Sonderzug Connecting Europe Express, der von September bis Oktober quer durch Europa unterwegs war, zeigte die Schwächen der aktuellen europäischen Bahnpolitik deutlich auf. Für die Reise durch 26 Staaten über 33 Grenzen brauchte es nicht weniger als 55 Loko­motiven. Denn auf Europas Schienen ist kaum etwas einheitlich geregelt – unterschied­liche Strom­systeme und Spurweiten, verschiedene Signal- und Zugsicherungs­systeme sowie Sprach­barrieren sind nur einige Beispiele. Selbst die seit Jahrzehnten beabsichtigte Einführung des europä­ischen Zugleit­systems ETCS kommt nur schleppend voran.


Laut Recherchen von Investigate Europe wird es schwer, die ambitionierten Ziele der EU zu erreichen, wenn sich nichts ändert. Denn die nationalen Bahnen schotten ihre Märkte voneinander ab statt grenzüberschreitende Verbindungen anzubieten. Wie das Journalisten­netzwerk nach eigenen Angaben dokumentieren konnte, gebe es zwischen den nationalen Bahnbetreibern sogenannte Nichtangriffsvereinbarungen. Darin hätten sich die Unternehmen auf eine friedliche Koexistenz verständigt. Dadurch werde Wettbewerb verhindert, der zu mehr Angeboten für Kunden führen würde, schreiben die Autoren.

Eine Datenanalyse der Investigativ­journalisten zeige zudem, dass die EU-Staaten noch immer deutlich mehr Geld in die Straße als in die Schiene investieren. Auch seien rund 6.000 Kilometer Gleise in den vergangenen 20 Jahren stillgelegt worden. Ein echter europäischer Zugverkehr werde außerdem dadurch verhindert, dass oft neue Züge angeschafft würden, die nur auf den eigenen nationalen Netzen fahren könnten. Kritisch bewertet das Rechercheteam auch die gescheiterte Gesetzesinitiative zur Stärkung der Fahrgastrechte. Das habe dazu geführt, dass Passagiere bis heute auf keiner Website alle Fahrzeiten und Ticketoptionen für eine Reise durch ganz Europa finden können.


Quelle: EVN