Zukunft weiter unklar: VRR verschiebt Entscheidung über Abellio-Aus in NRW

Regionalzug von Abellio NRW | Foto: Imago / Rüdiger Wölk

ESSEN | Der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) hat die Entscheidung über ein voll­ständiges Ausscheiden der angeschlagenen Regionalbahn Abellio in NRW auf den 9. Dezember verschoben.

  Aktualisiert: 22. November 2021, 17.50 Uhr  

Die langjährigen regulären Verträge mit Abellio würden beendet und ab Februar per Notvergabe neu vergeben. An dieser Notvergabe dürfe sich Abellio vorbehaltlich einer rechtlichen Prüfung aber ebenfalls beteiligen, sagten die Vertreter des VRR-Vergabe­ausschusses, Norbert Czerwinski (Grüne), Frank Heidenreich (CDU) und Norbert Schilff (SPD) nach der nichtöffentlichen Sitzung.

Voraussetzung sei allerdings, dass Abellio wichtige Daten etwa über den Personalbedarf seiner bisherigen Linien auch an die Konkurrenz weitergebe, so dass verbindliche Wettbewerbs­angebote möglich seien. „Wir erwarten die Daten“, sagte Heidenreich. Bisher habe Abellio diese Daten zurückgehalten, so dass Konkurrenten bisher keine Angebote kalkulieren konnten. Außerdem werde der VRR nicht auf mögliche Entschädigungsansprüche an Abellio verzichten. Notvergaben gelten maximal 24 Monate, wohl zum Dezember 2023 würden die Linien neu ausgeschrieben.


Etwa jeder sechste Zugkilometer im Schienen-Personennahverkehr (SPNV) von NRW entfällt auf Abellio, das wichtige Linien wie den RE1 von Aachen nach Hamm, den RE 11 von Düsseldorf nach Kassel und die S2 von Dortmund nach Essen betreibt. Zuvor hatten knapp 100 Beschäftigte vor dem Tagungsgebäude für eine Rettung in letzter Minute geworben. „Es geht um 1080 Arbeitsplätze. Wir hoffen, dass der VRR seine Entscheidung überdenkt und die Jobs erhalten bleiben“, sagte Abellio-Betriebsrat Tom Zielonka.

Abellio durchläuft derzeit ein Schutzschirmverfahren, ein Sanierungsverfahren im Insolvenz­recht. Das Unternehmen steckt tief in den roten Zahlen, was vor allem an höheren Personal­kosten und deutlich gestiegenen Baustellen-Folgekosten liegt, etwa für Schienen-Ersatzverkehr und Verspätungsstrafen. Um mögliche Mehrkosten für die Linien zu decken, hatte die Landes­regierung bereits 380 Millionen Euro in Aussicht gestellt.


Quelle: EVN / dpa