Abellio-Krise: EVG und Mobifair fordern Umsteuern bei Vergabe von Verkehrsverträgen

Eine S-Bahn des Bahnbetreibers Abellio im VRR-Netz | Foto: Imago / Gottfried Czepluch

BERLIN / FRANKFURT AM MAIN | Angesichts der aktuellen Krise rund um die Bahnfirma Abellio Rail GmbH in Nordrhein-Westfalen, fordern die Eisenbahn- und Verkehrs­gewerkschaft (EVG) und der Verein für fairen Wett­bewerb in der Mobilitäts­wirtschaft Mobifair ein Umsteuern in der Vergabe­politik.

Die Mitarbeitenden des insolventen Bahn­betreibers „brauchen endlich Sicherheit, wie ihre Zukunft ab Februar aussieht“, sagte der stellvertretende EVG-Chef Martin Burkert. Er fordert von der nordrhein-westfälischen Politik ein klares Bekenntnis gegenüber den Abellio-Beschäftigten. Es sei nicht zu verstehen, dass es nur zwei Monate vor einem möglichen Ende des Betriebs der Abellio-Strecken in NRW noch immer keine Sicherheit darüber gebe, wie es ab dem 1. Februar 2022 weitergeht.

Für die Zukunft erwartet Burkert von der Politik ein deutliches Umdenken: „Ein ‚Weiter so‘ in der Ausschreibungspolitik darf es nicht geben“, betonte er. „Wir brauchen daher zwischen Politik und Branche einen Pakt für mehr Qualität im Schienen­personen­nahverkehr. Die Politik muss mehr Geld in die Hand nehmen und die Unternehmen müssen verpflichtet werden, genügend Personal einzuplanen und eigenes Personal auszubilden“, so der EVG-Vize. „Eine solche Verpflichtung der Betreiber lässt sich in den Verkehrsverträgen festschreiben und muss auch fortlaufend kontrolliert werden“, ergänzte Mobifair-Vorstand Dirk Schlömer. „Was wir für die Zukunft brauchen, sind auskömmliche Verkehrsverträge für leistungsfähige Verkehre und gute Beschäftigungs­bedingungen.“


In den vergangenen Jahren wurde nach Ansicht von Mobifair immer offensichtlicher, dass der Preisdruck im gesamten Nahverkehr einfach viel zu hoch ist. „Deshalb muss jetzt umgesteuert werden, die entsprechenden Pläne dazu haben wir auch bereits dem VRR vorgelegt“, so Schlömer. Die Besteller sollten vor der Vergabe mehr Augenmerk auf die Konzepte der Bewerber legen. „Das geht von einer robusten Personal­ausstattung, ausreichendem Ausbildungskonzept bis hin zur Auskömmlichkeit der Kalkulation“, sagte der Mobifair-Vorstand.

Abellio betreibt in NRW mehrere Regional- und S-Bahnlinien, etwa 18 Prozent der Fahrten im Schienenpersonennahverkehr entfallen auf die Firma. Der Verkehrs­verbund Rhein-Ruhr (VRR) will am 9. Dezember über das Aus von Abellio entscheiden.


Quelle: EVN