Aus für Abellio in NRW – Neuer Betreiber soll übernehmen

Logo des Bahnbetreibers Abellio auf einem Zug | Foto: Imago / Rene Traut

HAGEN | Die angeschlagene Regionalbahn Abellio scheidet in NRW zum 31. Januar 2022 aus dem Zugverkehr aus und übergibt ihre Linien an neue Betreiber.

  Aktualisiert: 30. November 2021, 19.50 Uhr  

Das teilte die Abellio-Geschäftsführung am Dienstag bei einer Betriebsversammlung des Unternehmens in Hagen mit. Auch das Personal soll übernommen werden.

Bisher entfällt etwa jeder sechste Zugkilometer im Schienen-Personennahverkehr (SPNV) von NRW auf Abellio, das mit mehr als 1000 Beschäftigten wichtige Linien wie den RE1 von Aachen nach Hamm, den RE 11 von Düsseldorf nach Kassel und die S2 von Dortmund nach Essen betreibt.

Ziel sei es, die mehr als 1.000 Arbeitsplätze der Mitarbeiter nachhaltig zu sichern und eine geordnete Übergabe an neue Betreiber auf den Weg zu bringen. Dazu werde Abellio die nötigen Vorkehrungen treffen, hieß es in der Mitteilung.


Die drei NRW-Nahverkehrsunternehmen Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR), Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL) und Nahverkehr Reinland (NVR) sicherten den Beschäftigten ausdrücklich den „vollumfänglichen Erhalt“ ihrer Arbeitsplätze zu.

Das schließe auch etwa Resturlaub und Überstundenkonten aus der Abellio-Zeit ein, erklärten die Spitzenvertreter der drei Verbünde, Ronald Lünser, Joachim Künzel und Heiko Sedlaczek, die zu der Abellio-Betriebsversammlung gekommen waren. Sie warben eindringlich für einen Übergang zu einem anderen Bahnunternehmen.

Welches Bahnunternehmen das sein wird, ist bisher offen. Als mögliche Bewerber gelten DB Regio, National Express, weitere Interessenten sind möglich. Eine Entscheidung über die Notvergabe, wollen die Verkehrsbetriebe am 9. Dezember treffen, wie sie vor kurzem angekündigt hatten. Die Notvergabe überbrückt zwei Jahre, darauf folgt dann wieder eine langfristige Ausschreibung.


Die NRW-Nahverkehrsverbünde hatten zuvor die langfristigen Verträge mit Abellio gekündigt und für die Verbindungen des Bahnunternehmens im Land sogenannte Notvergaben ab dem 1. Februar 2022 vorbereitet. „Für die Übernahme von Leistungen im Rahmen einer Notvergabe wurde Abellio seitens der Aufgabenträger nicht eingeladen“, hieß es in der Abellio-Mitteilung.

Die Verkehrsverbünde widersprachen dieser Darstellung. Voraussetzung für ein Angebot wäre die Bereitstellung der Personaldaten ihrer Beschäftigten seitens Abellio, so dass auch Konkurrenten hätten mitbieten können, sagte ein Sprecher. Das sei aber nicht fristgerecht geschehen. Daher habe sich Abellio von der Teilnahme praktisch selbst ausgeschlossen, sagte ein Sprecher der Verkehrsverbünde.

Abellio wiederum wies darauf hin, dass man unter Hochdruck daran gearbeitet habe, die erforderlichen Daten den Verkehrsverbünden umfassend zur Verfügung zu stellen. Die Prüfung sei aber sehr aufwendig gewesen, schließlich hätten Geschäftsgeheimnisse sowie Aspekte des Wettbewerbsrechts, Kartellrechts und Datenschutzes berücksichtigt werden müssen. Die von den Verkehrsverbünden eingeräumte Abgabefrist sei angesichts des immensen Datenumfangs viel zu kurz und unrealistisch gewesen, so der Abellio-Sprecher.

Abellio steckt in Nordrhein-Westfalen mit seinem Bahngeschäft tief in den roten Zahlen und durchläuft seit dem 1. Oktober ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung. Die Entscheidung betreffe nur die Abellio Rail GmbH in NRW, Unternehmen des Anbieters in anderen Bundesländern seien nicht betroffen, betonte Abellio.


Quelle: EVN / dpa