Deutsche Bahn verlor 2020 deutlich mehr Bahncard-Kunden als erwartet

Zugschlusssignal an einem ICE | Foto: EVN

BERLIN | Im vergangenen Jahr verzeichnete die Deutsche Bahn einen deutlichen Rückgang bei den Bahncard-Kunden. Insgesamt nahm die Anzahl der Besitzer von Bahncards 25, 50 oder 100 um etwa 510.400 ab.

Wie aus Daten der Online-Plattform Statista hervor geht, verzeichnete der bundeseigene Konzern 2020 nur noch 41.000 Bahncard-100-Kunden. Das waren rund 13.400 weniger als noch im Vorjahr (2019: 54.400). Damit lag die Anzahl der Kunden hier wieder auf dem Wert von 2012. Bis 2019 war die Zahl der Bahncard-100-Besitzer kontinuierlich angestiegen.

Ebenfalls gesunken ist 2020 die Kundenzahl bei den Bahncards 25 und 50: Verzeichnete die Bahn 2019 noch 3,772 Millionen Bahncard-25-Besitzer, waren es 2020 nur noch 3,473 Millionen – ein Rückgang um rund 299.000. Bei der Bahncard 50 sank der Wert von 1,516 auf 1,328 Millionen Nutzer. Das waren zum Jahresende dann 198.000 weniger als noch 2019.


Im vergangenen Jahr hoffte die Bahn noch auf einen schwächeren Rückgang. So erklärte DB-Fernverkehrschef Michael Peterson im Oktober 2020 gegenüber der Wirtschaftswoche, dass man bis Jahresende von noch immer mehr als fünf Millionen Bahncard-Kunden ausgehe. Tatsächlich sank die Gesamtzahl der Bahncard-Besitzer aber auf 4,832 Millionen. 2019 waren es noch 5,342 Millionen.

Der Auslöser für den dramatischen Einbruch der Kundenzahlen ist vor allem in der Corona-Krise zu suchen. Mit einer neuen Preisaktion versucht das Unternehmen seit Mitte November gegenzusteuern. Mit einem „Klimarabatt“ von 50 Prozent will die Bahn Geschäfts­kunden von den Vorzügen der Bahncard 100 überzeugen. Das Angebot gilt noch bis zum 23. Dezember und ist eine Reaktion auf die UN-Klimakonferenz, die vor wenigen Wochen in Glasgow stattfand.

Aktuell liegt der normale Preis der Bahncard 100 bei 4.027 Euro für die 2. Klasse und bei 6.812 Euro für die 1. Klasse. Die Bahn plant zum Fahrplanwechsel im Dezember eine Preiserhöhung für einige Ticketarten, auch Bahncards werden dann um 2,9 Prozent teurer. Kritik kam bereits vom Fahrgastverband Pro Bahn, weil die kurzzeitige Preishalbierung bei der Bahncard 100 ausschließlich für Geschäfts- und nicht für Privatkunden gilt.


Quelle: EVN