Nach Explosion auf Bahn­bau­stelle: Warum blieb die Flieger­bombe in München unentdeckt?

Auf der Baustelle an der Donnersbergerbrücke ist am Mittwoch eine Fliegerbombe explodiert | Foto: EVN

MÜNCHEN | Nach der Explosion einer Flieger­bombe auf einer Bau­stelle der Deutschen Bahn in München rückt nun die Suche nach den Ursachen des Unglücks in den Mittel­punkt.

  Aktualisiert: 2. Dezember 2021, 12.54 Uhr  

Die Staatsanwaltschaft München I ermittelt derzeit wegen fahrlässigen Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion. Nach Einschätzung der Ermittler besteht ein solcher Verdacht, wie die Polizei am Donnerstag mitteilte. Bohrarbeiten sollen die Explosion am Mittwoch in der Nähe der Donnersbergerbrücke herbeigeführt haben.

„Selbstverständlich unterstützen wir die laufenden Ermittlungen und arbeiten eng mit den Behörden zusammen“, sagte eine Bahn-Sprecherin der Deutschen Presse-Agentur in München. Vor dem Hintergrund der laufenden Ermittlungen könne man keine weiteren Angaben machen. Grundsätzlich lege die Bahn bei Bauarbeiten aber höchste Sicherheits­standards an.

Bei dem Unglück waren vier Menschen verletzt worden – ein Bauarbeiter sogar lebens­gefähr­lich. Sein Zustand war jedoch nach einer mehrstündigen Operation stabil. Zwei weitere Bau­arbeiter erlitten ein Knalltrauma und konnten nach ambulanter Behandlung wieder entlassen werden. Ein Passant wurde von einem umherfliegenden Stein am Kopf getroffen und erlitt eine Platzwunde. „Wir bedauern zutiefst, dass es zu diesem Unfall gekommen ist. Wir wünschen den Verletzten baldige Genesung“, sagte die Sprecherin.


Interesse an einer Aufklärung hat auch Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU). Normalerweise werde auf solchen Baustellen vorab immer intensiv sondiert, wo noch Blindgänger versteckt liegen könnten, hatte er bei einem Besuch am Unglücksort gesagt. Er gehe davon aus, dass das auch auf dieser Baustelle geschehen sei. „Da muss jetzt ermittelt werden: Warum hat man diese Bombe vorher nicht erkannt?“

Die Detonation ereignete sich auf einer Baustelle für die zweite Stammstrecke – ein Mammut­projekt, das den extrem dichten Verkehr entlang der bisherigen Trasse entzerren soll. Die bisherige Stammstrecke gilt als Nadelöhr. Sie führt vom Ostbahnhof in einem Tunnel durch die Innenstadt bis in den Münchner Westen und gilt mit rund 1.000 Zügen täglich als eine der am meisten befahrenen Bahnstrecken Europas.

Nun wird auf der Baustelle, wo das Unglück geschah, also erst mal nach den Ursachen geforscht. Wie geht es weiter? Verzögert sich nun das ganze Projekt? Das weiß man auch bei der Bahn noch nicht. Aktuell könne man noch keine Aussage dazu treffen, wie sich der Vorfall auf den weiteren Verlauf der Baumaßnahmen auswirken werde, heißt es.


Quelle: EVN / dpa