3G-Kontrollen sollen ÖPNV-Sicherheitsgefühl stärken

Seit dem 24. November gilt die 3G-Pflicht in Bus und Bahn | Foto: Imago / Bihlmayerfotografie

FRANKFURT AM MAIN | Nicht nur Schwarzfahren kann teuer werden, beim Verstoß gegen die 3G-Regeln drohen in Frankfurt am Main 100 Euro Bußgeld. Schwer­punkt­kontrollen sollen aber auch zum Gefühl der Sicherheit aller Fahrgäste beitragen.

Den gelben Impfausweis schon gezückt und mit einem besseren Gefühl: Für die allermeisten Fahrgäste sind die Kontrollen der 3G-Regel in Bussen und Bahnen – also dass nur Geimpfte, Genesene und Getestete mitfahren dürfen – kein Problem. Im Gegenteil.

Die U-Bahnhaltestelle Höhenstraße im Frankfurter Nordend ist an diesem Dienstagnachmittag ein regelrechtes Kontroll-Nadelöhr. Überall an den Eingängen, vor den Rolltreppen und auf den Bahnsteigen stehen Männer und Frauen in den Uniformen des Sicherheitsteams der Verkehrsbetriebe. Ganz schlecht für Schwarzfahrer, die ohne Fahrschein aus der U-Bahn steigen. Das Hauptaugenmerk der Kontrolleure des Prüfdienstes, die verstärkt durch Stadt- und Länderpolizei im Einsatz sind, ist allerdings auf die Einhaltung der 3G-Regeln im öffentlichen Nahverkehr gerichtet.

Ohne 3G-Nachweis können Fahrgäste die Fahrt nicht antreten. Wer die Station ohne Nachweis verlassen will – also ohne Nachweis mit der U-Bahn gefahren war – muss wegen dieser Ordnungswidrigkeit ein Ordnungsgeld in Höhe von 100 Euro bezahlen. Dasselbe gilt für Fahrgäste, die in den zeitgleich zusammen mit der Polizei kontrollierten Bussen keinen Nachweis vorlegen können.


Eine Frau überreicht dem Kontrolleur erst einmal einen Strauß Tannengrün und eine Einkaufs­tüte, um die Hände frei zu haben und aus den Tiefen ihrer Handtasche Impfpass, Personal­ausweis und Fahrkarte zutage zu fördern. Eine ältere Frau dagegen hat ihren gelben Impf­ausweis bereits gezückt. Gegen die Kontrollen hat sie nichts einzuwenden. „Da fühle ich mich in der Bahn auch sicherer“, sagt sie. „Es ist ein besseres Gefühl.“

„Unser vorrangiges Ziel ist es, mit den gemeinsamen Kontroll-Aktionen in Bus und Bahn das Bewusstsein für die Notwendigkeit der Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus in der Öffentlichkeit weiter zu stärken“, betont der Frankfurter Vize-Polizeipräsident Björn Gutzeit.

Natürlich könnten angesichts des täglichen Fahrgastaufkommens nicht überall und flächen­deckend kontrolliert werden, räumt Thomas Wissgott, Geschäftsführer der Frankfurter Verkehrs­gesellschaft VGF, ein. Doch es gelte, Präsenz zu zeigen, wie bei einer ähnlichen Aktion in der vergangenen Woche und einer Kontrolle in Offenbach am Vortag. Der Anteil der Fahrgäste, die keinen 3G-Nachweis mit sich führten, habe dabei bei etwa fünf Prozent gelegen – teilweise handelte es sich um Vergesslichkeit. Andererseits fühlten sich im Gegensatz zu notorischen Schwarzfahrern, denen durchaus klar sei, dass sie bewusst „falsch“ handelten, ein großer Teil der Ungeimpften ohne Test im Recht.

Frankfurt ist nicht der einzige Ort von Sonderkontrollen. So gab es nach Angaben des Rhein-Main-Verkehrsverbundes (RMV) bereits Schwerpunktkontrollen in Gießen, Frankfurt, Offenbach, Dietzenbach, Wiesbaden, Darmstadt, Hanau sowie in den S-Bahnen statt.


In den kommenden Wochen seien weitere Kontrollen an verschiedenen Orten im Verbund­gebiet wie auch im Regionalverkehr geplant, so ein Sprecher. „Zwischen 90 und 95 Prozent, somit der weitaus größte Teil der Fahrgäste, konnten den 3G-Nachweis erbringen“, heißt es beim RMV. „Ein weiterer Teil konnte glaubhaft versichern, lediglich den Nachweis vergessen zu haben.“ Auch die Mund-Nase-Bedeckung habe sich bei den weitaus meisten Fahrgästen durchgesetzt. Mittlerweile trugen rund 99 Prozent der Fahrgäste die vorgeschriebene Schutzmaske.

Eine positive Bilanz zieht auch der Nordhessische Verkehrsverbund NVV. Die zehn Teams, die seit zwei Wochen Schwerpunktkontrollen vornehmen, hatten nur wenige Regelverstöße festgestellt. „Es müssen nur cirka ein bis fünf Prozent der kontrollierten Personen das Fahrzeug verlassen“, erläutert die Pressesprecherin am Dienstag.

Ein junger Mann hat Glück bei der Frankfurter Kontrolle. Er wird darauf aufmerksam gemacht, dass seine Monatskarte abgelaufen ist und verhindert mit einem Gang zum Fahrkarten­automaten 60 Euro Bußgeld. Für die 3G-Kontrollen hat er vollstes Verständnis. „Wir haben nun mal Corona. Da muss man auch was machen.“

Ganz anders eine etwa 60-jährige Frau, die laut schimpfend von der Kontrolle wegstürmt und sich noch auf der Rolltreppe die Maske vom Gesicht reißt. Sie ist nicht geimpft und hatte auch keinen Test bei sich. Es sei „eine Unverschämtheit, was uns hier alles zugemutet wird“, empört sie sich. Eine andere Frau hat ganz andere Sorgen: „Ich hoffe, die Tests und Impfnachweise sind jetzt bald fälschungssicher.“


Quelle: EVN / dpa