Stellenabbau in deutschen Alstom-Werken – Über 1.000 Jobs sollen wegfallen

Mitarbeiter in einem Alstom-Werk | Foto: Alstom

SALZGITTER / GÖRLITZ | Der französische Zug- und Bahntechnikhersteller Alstom will an mehreren Standorten in Deutschland Stellen abbauen. Gleichzeitig wolle der Konzern in neue Bereiche investieren.

  Aktualisiert: 10. Dezember 2021, 13.49 Uhr  

Betroffen sind nach eigenen Angaben unter anderem die Werke im sächsischen Görlitz und Bautzen sowie die Fabrik im niedersächsischen Salzgitter, aber auch weitere Niederlassungen. Nach Informationen aus Branchenkreisen sollen bis zu 1.200 Jobs wegfallen.

Vom Unternehmen hieß es dazu, man müsse „eine Anpassung der Positionen in der Fertigung“ vornehmen, für die eine Spanne von 900 bis 1.300 Stellen im Gespräch sei. Über die Pläne wurde am Freitag betriebsintern diskutiert. Auch die Landesregierungen in Hannover und Dresden seien im Bilde, hieß es. Verschiedene Angaben kursierten zur Umsetzung: Teils war von ersten Kürzungen bis zum Frühjahr die Rede, während Alstom von einem Gesamt­zeitraum von drei Jahren sprach.

Der Hersteller wies darauf hin, dass in neuen Arbeits­bereichen wie Software und Digitali­sierung sowie bei Ingenieur- und weiteren Dienstleistungen auch bis zu 700 neue Stellen geschaffen werden sollen – etwa in Braunschweig, Berlin und Mannheim. Unabhängig davon komme man jedoch nicht um Einsparungen in der klassischen Produktion herum, die neben Salzgitter, Görlitz und Bautzen auch Hennigsdorf bei Berlin, Mannheim und Siegen beträfen. Ziel sei es, wettbewerbsfähiger zu werden. Alstom starte dazu einen „kompakten Transformations­plan“.


Sachsens Wirtschafts­minister Martin Dulig reagierte mit „absolutem Unverständnis“. In Görlitz sollten bis zu 400 und in Bautzen bis zu 150 Arbeitsplätze gestrichen werden, sagte der SPD-Politiker nach Gesprächen mit dem Betriebsrat. Beratungen mit Bundes­wirtschafts­minister Robert Habeck (Grüne) seien in Vorbereitung, hieß es in Dresden. Das Land Niedersachsen mit Salzgitter als einem der größten Alstom-Werke in Europa äußerte sich zunächst nicht.

Nach Angaben der IG Metall hat das Unternehmen in der Bundes­republik zurzeit etwa 9.400 Beschäftigte. In Hennigsdorf stünden bis zu 450 und in der Deutschland-Zentrale in Berlin bis zu 100 Jobs auf der Kippe. IG-Metall-Bezirkschefin Birgit Dietze kritisierte die Pläne als kurzsichtig. „Personalabbau ist ein einfaches und zunächst schnell wirksames Mittel“, sagte sie. „Auf lange Sicht bedeutet das aber Know-how-Verlust.“ Man werde die Kürzungen nicht einfach hinnehmen.

Die Geschäftslage bei Alstom war in den vergangenen Jahren wiederholt schwierig. Ende Januar schlossen die Franzosen ihre Fusion mit der Zugsparte des kanadischen Bombardier-Konzerns ab – so entstand das zweitgrößte Unternehmen der Branche. Zuvor war ein Zusammengehen mit der Zugtechnik von Siemens am Widerstand der EU-Kommission gescheitert.

Niedersachsens Wirtschafts­minister Bernd Althusmann war davon ausgegangen, dass die Verschmelzung mit dem Bombardier-Bahngeschäft große wirtschaftliche Chancen bringen könnte. In Salzgitter hatte Alstom nach eigenen Angaben zuletzt etwa 2.000 Mitarbeiter.

Auch die Corona-Krise hatte für den Konzern Folgen. In der zweiten Hälfte des vorigen Geschäfts­jahres 2020/2021 (Ende März) waren der Auftragseingang und der aus eigener Kraft erzielte Umsatz – ohne Zu- und Verkäufe sowie Währungseffekte – bei Alstom insgesamt rückläufig. Der Nettogewinn ging auf 247 Millionen Euro zurück, nachdem ein Jahr zuvor ein Plus von 467 Millionen Euro in der Bilanz gestanden hatte.


Quelle: EVN / dpa