Karlsruhe nimmt neuen Stadtbahntunnel in Betrieb

Feierliche Eröffnung des Stadtbahntunnels | Foto: KASIG

KARLSRUHE | Nach zwölfjähriger Bauzeit ist in Karlsruhe eines der größten Nahverkehrs­projekte in Baden-Württemberg in Betrieb gegangen.

  Aktualisiert: 11. Dezember 2021, 16.47 Uhr  

Oberbürgermeister Frank Mentrup (SPD) eröffnete am Samstag zusammen mit Landes­verkehrs­minister Winfried Hermann (Grüne) und Michael Theurer (FDP), Staatssekretär im Bundesverkehrs­ministerium, das 1,5-Milliarden-Euro-Projekt. Es handelt sich dabei um einen Tunnel unter der Innenstadt für den Karlsruher Stadtbahn­verkehr. Das Projekt war unter anderem wegen seiner Kosten umstritten, die sich am Ende verdreifacht hatten.

Die sogenannte Kombilösung, die von Bund, Land und Stadt finanziert wurde, gibt der Karlsruher City ein neues Gesicht und soll für mehr Sicherheit sorgen. Ein Teil der bislang noch im Minutentakt in der Fußgänger­zone fahrenden Stadtbahnen rollt nun im Tunnel darunter – ein anderer Teil auf der südlich gelegenen neuen Trasse Kriegsstraße. Diese früher teils zehnspurige Autoschneise ist zum Boulevard umgebaut worden, der Autoverkehr soll künftig ebenfalls in einem Tunnel darunter fließen. Der Autotunnel wird voraus­sichtlich Ende März fertig.

Bevor Bürger am Samstag ab 14 Uhr in den Untergrund strömen konnten, hatten geladene Gäste die Möglichkeit, den neuen Stadtbahntunnel zu erleben. Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) musste seine Teilnahme krankheitsbedingt absagen, aber dafür waren neben Mentrup mit Gerhard Seiler und Heinz Fenrich (beide CDU) gleich zwei frühere Oberbürgermeister dabei. „Ich bin froh, dass das Jahrhundertbauwerk endlich auf den Weg gebracht wurde“, sagte Fenrich. Er hatte die Kombilösung Mitte der 1990er Jahre vorgeschlagen – nachdem ein bloßer Bahntunnel durch einen Bürgerentscheid zunächst abgelehnt worden war.

Dass angesichts des dichten und für Fußgänger gefährlichen Tramtaktes in Karlsruhe etwas getan werden musste, stand auch für Kritiker außer Frage. Aus Sicht des Umweltverbandes BUND wurde für die Kombilösung aber viel Geld verbraten – ohne dass die Leistungsfähigkeit des Schienennetzes wirklich verbessert worden sei. Angesichts angepeilter zusätzlicher ÖPNV-Fahrgastzahlen müssten aus Sicht der Umweltschützer wie auch des Verkehrsclubs VCD die oberirdischen Schienen in der Kaiserstraße bleiben. Doch das ist keine Option. Karlsruhe bekommt eine echte Fußgängerzone, betonte Mentrup zur Eröffnung.


Quelle: EVN / dpa