Geplanter Stellenabbau bei Alstom: SPD-Fraktionsvize will „Bekenntnis zu den Regionen“

Alstom-Mitarbeiter arbeiten an einem Zug im Fertigungswerk Bautzen | Foto: Imago / Rainer Weisflog

GÖRLITZ / SALZGITTER | Die Abbaupläne bei Alstom bedeuten für viele Beschäftigte kurz vorm Jahres­wechsel neue Unsicherheit – nicht zuletzt in Ost­deutsch­land. SPD und IG Metall verlangen von dem Konzern mehr Verläss­lich­keit. Denn gerade in der Lausitz stehen schon andere Umbrüche bevor.

  Aktualisiert: 14. Dezember 2021, 20.41 Uhr  

Nach der Ankündigung eines Stellen­abbaus beim Bahn­technik­hersteller Alstom fordern Politik und Gewerkschaften Zusagen vor allem für die ostdeutschen Standorte. Der Parlamentarier Dirk Müller, einer der neuen stellvertretenden SPD-Fraktionschefs im Bundestag und zuständig für den Wahlkreis Chemnitz, richtete sich am Dienstag an das Management des französischen Konzerns. Er erwarte, dass Alstom auch nach dem Zusammengehen mit dem früheren Konkurrenten Bombardier „einen verantwortungsvollen und verlässlichen Umgang mit den Beschäftigten“ an den Tag lege. Nötig sei zudem „ein Bekenntnis zu den Regionen, in denen das Unternehmen vertreten ist“.


Der Zugbauer hatte am vergangenen Freitag erklärt, in mehreren seiner Werke in Deutschland nicht um eine „Anpassung der Positionen in der Fertigung“ herumzukommen. Genannt wurde zunächst eine Spanne von 900 bis 1.300 Stellen – in Bereichen wie Software und Dienst­leistungen sollen jedoch auch neue Jobs entstehen. Von den Kürzungen betroffen sind unter anderem Görlitz und Bautzen im östlichen Sachsen. Aber auch an anderen Alstom-Standorten wie Hennigsdorf bei Berlin, Salzgitter, Siegen oder Mannheim sollen den Angaben zufolge Jobs in der klassischen Produktion wegfallen.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) bezeichnete den geplanten Stellenabbau an den Standorten Görlitz und Bautzen als weiteren „Stich ins Herz“ der Lausitz. „Wir können nicht einerseits die Deindustrialisierung durch das Ende der Braunkohleverstromung vorantreiben und es gleichzeitig unterlassen, die existierenden Kernindustrien zu stabilisieren“, sagte Anne Neuendorf, stellvertretende Vorsitzende des DGB Sachsen, am Dienstag.


„Gerade die Lausitz darf nicht zum Verlierer der Transformation werden, doch nach dem Kohleausstieg droht nun ein erneuter Rückschlag“, warnte Müller, der sich bei den Sozial­demokraten um die Themen Verkehr und Digitales kümmert. Er verlangte von der Bundes­politik zu vermitteln. Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) hatte die Kürzungen als „vergiftetes Weihnachtsgeschenk“ bezeichnet. Beratungen auch mit Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) seien in Vorbereitung. Wie am Dienstagnachmittag aus Branchen­kreisen zu hören war, sollte es am Abend ein Treffen mit einem Vertreter der Bundesregierung in Görlitz geben.

IG-Metall-Bezirkschefin Birgit Dietze kritisierte das Vorhaben als kurzsichtig: „Auf lange Sicht bedeutet das Know-how-Verlust.“ Der Betriebsratschef von Alstom in Deutschland, René Straube, äußerte sich ähnlich. Alstom will nach eigener Darstellung einen „kompakten Transformationsplan“ für den Umbau der Standorte auflegen.

Der DGB Sachsen fordert auch Änderungen in der Vergabepraxis. „Die Vergabe von öffent­lichen Aufträgen und damit der Einsatz von Steuermitteln müssen an Unternehmen erfolgen, die tarifgebunden sind“, sagte Dana Dubil vom DGB Ostsachsen. Der Dumping­wettbewerb setze Unternehmen in Deutschland unter Druck, die heimischen Produzenten stünden mit dem Rücken zur Wand.


Quelle: EVN / dpa