Branchenverband zieht gemischte Bilanz zum Europäischen Jahr der Schiene

ICE-Beklebung zum Thema „European Year of Rail 2021“ | Foto: DB AG / Patrick Kuschfeld

BERLIN | Das Verkehrs­bündnis Allianz pro Schiene zieht zum Ende des Europäischen Jahrs der Schiene eine gemischte Bilanz. Zwar sei die Zug­branche in der EU ein Stück weit zusammen­gewachsen, jedoch ohne das Trennende wirklich zu überwinden.

Wie Schienenallianz-Geschäftsführer Dirk Flege sagte, gehe das Europäische Jahr gewiss mit Fortschritten bei Schnell­verbindungen, Nachtzügen und Investitionen in die Netze zu Ende. Doch noch immer bildeten nationale Grenzen in der EU auf den Gleisen große Hindernisse. „Das Zugfahren über Grenzen hinweg müsste und könnte deutlich einfacher sein – und zwar sowohl im Personen- als auch im Güterverkehr“, betonte der Verbandschef am Mittwoch in Berlin. Ein Europäisches Jahr der Schiene reiche nicht, um den Flickenteppich zu beseitigen. „Wenn die Zukunft der klimafreundlichen Schiene gehören soll, muss die EU ein Jahrzehnt der Schiene ausrufen“, so Flege.

Als positiv bewertet der Branchenverband die Zusammenarbeit der führenden nationalen Eisenbahn­verkehrs­unternehmen und den Ausbau der grenzüberschreitenden Nachtzug­verbindungen. Auch politisch rückt das Thema Schienenverkehr zunehmend in den Fokus. So stellte die EU-Kommission kürzlich einen ambitionierten Aktionsplan vor, mit dem sie den Hochgeschwindig­keits­verkehr bis 2030 verdoppeln und bis 2050 verdreifachen will. Ebenso sollen in diesem Jahrzehnt Reisen bis 500 Kilometer komplett CO2-neutral werden. Dies sei ein wichtiger Schritt, um auf diesen Strecken das Flugzeug durch Züge zu ersetzen, hieß es.

Einen großen Handlungs­bedarf sieht der Verband weiterhin bei der Buchung internationaler Zugtickets. Hier würden Verbraucherinnen und Verbraucher noch immer schnell an Grenzen stoßen. Nötig sei ein niedrig­schwelliges Angebot: Das Buchen von Zugtickets für Fahrten in Europa müsse so einfach werden wie das Buchen von Flugtickets.

Als Schlüsselprojekt für einen wettbewerbsfähigeren Schienen­güter­verkehr nennt der Verband die bevorstehende Einführung der Digitalen Automatischen Kupplung (DAK). Allerdings stehe die finanzielle Unterstützung der EU und der Mitgliedsstaaten für die aufwändige Umstellung nach wie vor aus.

Zu weiteren Forderungen der Schienenallianz gehören die Elektrifizierung aller Grenz­über­gänge bis 2030, die Abschaffung der Mehrwertsteuer auf internationale Zugtickets sowie mehr Gerechtigkeit bei der Infrastrukturfinanzierung mit einer EU-weiten Mautpflicht auch für Lkw und Fernbusse.


Quelle: EVN