Gullydeckel-Prozess gegen Lokführer – Berufungsverfahren beginnt

Landgericht Siegen befasst sich mit Berufung im Gullydeckel-Prozess | Foto: Pixabay / privat

SIEGEN | Ein Anschlag mit Gullydeckeln auf einen Regionalzug in NRW hatte 2019 für Entsetzen gesorgt. Ein Lokführer soll ihn selbst inszeniert haben. Gegen sein Urteil legte er Berufung ein, der Fall liegt nun beim Landgericht Siegen.

  Aktualisiert: 03. Januar 2022, 18.27 Uhr  

Mehr als zweieinhalb Jahre nach einem Gullydeckel-Anschlag auf eine Regionalbahn befasst sich das Landgericht Siegen am Dienstagvormittag mit dem Fall. Der Lokführer war im Oktober 2020 vom Amtsgericht in Bad Berleburg im Siegerland zu einer Haftstrafe von einem Jahr und neun Monaten ohne Bewährung verurteilt worden. Den Anschlag im April 2019 auf den Zug der Hessischen Landesbahn habe er selbst inszeniert, befand das Gericht. Zwei Kanaldeckel habe er dafür eigens an einer Brücke montiert. Bei Siegen nahe der Grenze zwischen Nordrhein-Westfalen und Hessen waren die zwei schweren Gullydeckel in die Frontscheibe der Bahn gekracht.

Der Lokführer in dem frühmorgens noch unbesetzten Zug war bei dem Vorfall unverletzt geblieben. Nachdem zunächst ein Mordanschlag gegen ihn nicht ausgeschlossen worden war, fiel der Verdacht im Zuge der Ermittlungen überraschend auf den Mann selbst. So seien damals DNA-Spuren des Lokführers an den Seilkonstruktionen gefunden worden. Auch wären die Ermittler im Rahmen einer Wohnungsdurchsuchung auf diverse Schneidewerkzeuge, Handschuhe sowie ganz ähnliche Knoten wie am Anschlagsort gestoßen. 

Das Amtsgericht verurteilte den Mann schließlich wegen Vortäuschens einer Straftat und wegen vorsätzlichen gefährlichen Eingriffs in den Bahnverkehr. Seine Verteidigung hatte Freispruch verlangt. Der Lokführer legte Berufung ein.


Quelle: EVN / dpa