Norddeutsche Länder und Bahn ziehen beim Netzausbau an einem Strang

Bahn und Nord-Bundesländer schließen Bündnis für schnelleren Schienenausbau | Foto: DB AG / Oliver Lang

BERLIN / HAMBURG | Deutschland ist noch weit von den eigenen Klima­zielen entfernt. Vizekanzler Robert Habeck verlangt deshalb dreimal bessere Maßnahmen bei der Minderung des Klima­gases CO2. Neben dem Ausbau erneuer­barer Energien muss auch der Verkehrs­sektor dazu beitragen.

Bessere Bahnangebote für Pendler und Fernreisende sowie deutlich mehr Gütertransporte auf der Schiene: Im Kampf gegen den Klimawandel ist ein kräftiger Ausbau des jahrelang geschrumpften deutschen Schienennetzes dringend nötig. Damit das im Norden schneller und reibungsloser klappt, wollen die Deutsche Bahn und die fünf norddeutschen Bundesländer künftig an einem Strang ziehen. Am Mittwoch haben Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen sowie Schleswig-Holstein dazu ein Bündnis „Zukunft Schiene Nord“ mit der Bahn vereinbart.

„Wir gründen eine Schienen-Hanse. Das Bündnis steht für eine attraktive Eisenbahn in den norddeutschen Bundesländern, für mehr Güter auf der Schiene und den Deutschlandtakt“, sagte der Infrastrukturvorstand der Deutschen Bahn AG, Ronald Pofalla. „Durch die länderübergreifende Zusammenarbeit planen wir künftig effektiver, schneller und gesamthafter – für Schienenverkehrsangebote aus einem Guss.“


Von der Allianz pro Schiene, einem Zusammenschluss von Verbänden, die sich der Förderung des Bahnverkehrs verschrieben haben, gab es Lob für die angepeilte engere Zusammenarbeit: „Das heute angekündigte Bündnis für einen schnelleren Schienenausbau im Norden ist eine gute Nachricht“, sagte deren Geschäftsführer Dirk Flege der Deutschen Presse-Agentur. „Gerade in den Küstenländern kommen wachsender Güterverkehr und wachsende Pendlerströme auf der Schiene zusammen. Daher müssen die Ausbaupläne für das Schienennetz jetzt schnell umgesetzt werden – nicht zuletzt auch mit Blick auf die ambitionierten Klimaziele.“ Die Allianz wies darauf hin, dass in den vergangenen Jahren Personen- und Güterverkehr auf der Schiene stark gewachsen seien, das Schienennetz in Deutschland aber sogar geschrumpft sei. „Das Gedrängel auf den Gleisen wird schon jetzt immer größer.“

Auch Pofalla betonte, dass eine leistungsfähige Bahn-Infrastruktur gerade im Norden besonders wichtig sei. „Denken Sie alleine an den Knoten Hamburg, ein neuralgischer Punkt für das Schienennetz in ganz Deutschland“, sagte der Bahn-Manager. Zudem wüchsen die Pendlerverkehre zwischen den verschiedenen Großstädten des Nordens „rasant und schneller als in anderen Regionen“.

Zudem hat der Norden mit den Häfen für die Versorgung von Menschen und Unternehmen mit Waren eine besondere Bedeutung. Die deutschen Seehäfen verlangen deshalb erhebliche Investitionen in den Ausbau des deutschen Schienennetzes – im Interesse des Klimaschutzes und der Zuverlässigkeit der aktuell extrem gestörten Lieferketten. „Wenn mehr Verkehr auf die Schiene soll, dann brauchen wir auch mehr Schiene“, hatte der Präsident des Zentral­verbandes der deutschen Seehafenbetriebe (ZDS), Frank Dreeke, im November gefordert.

Pofalla zufolge hat die Bahn dieses Thema im Blick: „Die Schiene ist Lebensader und Motor für die großen Seehäfen“, sagte er am Mittwoch. Zwei Drittel der deutschen Im- und Exporte würden dort abgewickelt und vom Schiff auf die Schiene gebracht. „Ob Hamburg, Bremerhaven, Rostock oder Wilhelmshaven, von diesen Standorten geht eine enorme Wirtschafts- und Arbeitskraft aus mit einer Bedeutung weit über den Norden hinaus.“

Bis 2030 sollen nach Bahnangaben mehr als 30 Milliarden Euro in die Schieneninfrastruktur des Nordens fließen. Dabei handelt es sich größtenteils um Bundesmittel, die bereits jetzt für Neu- und Ausbauprojekte eingeplant sind. Schleswig-Holsteins Verkehrsminister Bernd Buchholz (FDP) sprach von einem starken Signal, sagte aber auch: „Machen wir uns nichts vor, es ist auch bitter nötig und das kann man insbesondere in meinem Bundesland bestens besichtigen.“ So habe Schleswig-Holstein etwa mit aktuell 29 Prozent die geringste Quote an elektrifizierten Strecken im gesamten Bundesgebiet.


EVN / dpa