Hübner Group | Seit 75 Jahren ein Partner der Bus- und Bahnindustrie


Kassel (pso/Hübner) – Was im Mai 1946 als kleine Reparaturwerkstatt für Gummiartikel im vom Krieg zerstörten Kassel begann, hat sich im Laufe der Jahrzehnte zu einem echten Global Player der Mobilitätsindustrie entwickelt.

Mit rund 3.500 Mitarbeitenden an über 30 Standorten ist die HÜBNER-Gruppe heute weltweit führend im Bereich Übergangssysteme sowie Elastomer-Dichtungen für Busse und Bahnen. Daneben liefert die Unternehmensgruppe aber auch Fahrwerksysteme, Cockpit-Displays, Faltenvordächer für Fluggastbrücken, beschichtete Gewebe für Biogasanlagen oder GFK-Hauben für Baufahrzeuge. Selbst Hochleistungslaser gehören seit einigen Jahren zum Produktportfolio des Unternehmens. Das Jubiläum wird unter dem Motto „HÜBNER verbindet. Menschen. Produkte. Orte.“ begangen.

„Es ist unser seit 75 Jahren gelebtes Motto“, erklärt Unternehmensinhaber Reinhard Hübner. „Unsere Übergangssysteme für Busse und Bahnen haben uns weltweit bekannt gemacht – egal, ob in einem Bus in London, in einer Straßenbahn in Melbourne oder in einem Schnellzug in China. Rund um den Globus sind unsere Produkte anzutreffen und geben Menschen Sicherheit und den Komfort, sich in Transportfahrzeugen zwischen den Wagons frei bewegen zu können. Weniger bekannt ist jedoch, dass zum Beispiel auch die Fingerschutzprofile für Türen für den ICE von HÜBNER kommen oder dass wir für den Medizinbereich und auch für die Forschung und Wissenschaft Produkte zuliefern.“ Im Gegensatz zum allgemeinen Industrietrend, sich monothematisch auf eine Produktgruppe zu konzentrieren, sieht Reinhard Hübner die breite Aufstellung des Unternehmens als Vorteil. „Bereiche können sich gegenseitig befruchten und Innovationen für unterschiedliche Anwendungen ausprobieren. Zudem macht uns das große Portfolio unabhängig von Schwankungen in einzelnen Märkten.“

Die Wurzeln der Unternehmensgruppe

1946 wird das Unternehmen von Kurt Hübner gegründet. „Ursprünglich aus Berlin wohnte mein Vater während des Krieges mit seiner Familie in Lugau im sächsischen Erzgebirge, wo er Förderbänder für die örtlichen Kohlegruben der Fima Ziller installierte, reparierte und instand hielt“, erzählt Reinhard Hübner anlässlich des Jubiläums. „Zum Ende des Krieges konnte er in einem voll beladenen Auto mit Frau und Kindern gerade noch nach Kassel zu den Schwiegereltern fliehen. Deren Haus hatte zwar ein zerbombtes und ausgebranntes Dach, aber es langte, um darin wohnen und um sich eine neue Existenz aufbauen zu können.“

In der Nachkriegszeit hat Kassel mit seiner zerstörten Industrie großen Bedarf an Wiederaufbau- und Reparaturarbeiten. Dabei wird Kurt Hübner von seinem handwerklich begabten Schwiegervater Georg Schnellhas unterstützt, der vor der Firmengründung Schlossermeister bei Henschel war, zu der Zeit einer der bedeutendsten Hersteller von Lokomotiven in Europa. Gemeinsam kümmern sie sich in der ersten Zeit vor allem um Aufträge für die Reparatur von Gummiartikeln wie beispielsweise Gummistiefel für eine nahgelegene Zuckerfabrik.

Schnell etabliert sich der Betrieb in der Region als Gummispezialist und erster Ansprechpartner, wenn es um Sonderentwicklungen geht. 1952 baut das ehemalige Kasseler Unternehmen Henschel die weltweit ersten Gelenk-Omnibusse – und HÜBNER kann dazu einen ersten Faltenbalg für die Abdeckung des Gelenkes und für den Übergang der Passagiere in den Anhänger entwickeln. Der Übergang wird aus gummibeschichtetem Gewebe hergestellt und die einzelnen genähten Falten außen mit einem Aluminium-Profil eingefasst. Es soll der wesentliche Entwicklungsschritt in der Geschichte des Unternehmens werden. Später entstehen im ähnlichen Prinzip die Übergänge für die Schienenfahrzeuge. Ein neuer Zulieferer für die Bus- und Bahnindustrie entsteht.

Weltweit aktiv

Die erste Auslandsgesellschaft des Unternehmens wird von Reinhard Hübner in Brasilien gegründet. „Wir haben mit dem Produktionsstandort in der Nähe von São Paulo eine preiswerte Fertigung mit deutscher Qualität erhalten und konnten gleichzeitig die damals aufstrebenden Märkte in Lateinamerika beliefern“, erklärt Hübner den damaligen Schritt über den Atlantik. Während er sich auf den internationalen Ausbau konzentriert, kümmert sich der Vater um die Führung des Gesamtunternehmens und den Hauptproduktionsstandort am Unternehmenssitz in Kassel: „Mein Vater“, erinnert sich Reinhard Hübner, „ging nie in Ruhestand. Er hat die Firma – sein großes Lebenswerk – bis zu seinem Tod geleitet.“ Entsprechend prägte er das Unternehmen: „Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sollten Freude an ihrer eigenen Entwicklung und der der Firma haben und dadurch motiviert auch selbst innovative Produkte für die Kunden schaffen, die konstruktive und damit auch anwendungstechnische Vorteile boten. Darauf wurde immer viel Wert gelegt“, so Reinhard Hübner. „Eine Tradition, die auch heute noch für unser Unternehmen gilt.“

Nach dem plötzlichen Tod des Vaters übernimmt Reinhard Hübner 1985 das Unternehmen und sorgt gemeinsam mit den Geschäftsführern Günter Schwind und Harald Ossendorff, der etwas später zum Unternehmen dazu stößt, für die Weiterentwicklung des Bus- und Bahnzulieferers. In den folgenden zehn Jahren verdreifacht sich der Umsatz des Unternehmens nahezu. Um die Nachfrage zu bedienen, gründet HÜBNER 1995 in Charleston, im Südosten der USA, sowie 2002 in Shanghai weitere große Auslandsstandorte. Zudem entstehen in den nachfolgenden Jahren weitere Produktionswerke in Ungarn und Russland.

Hochgeschwindigkeitsübergänge von HÜBNER finden mittlerweile weltweit Verwendung – unter anderem ist man in China gemeinsam mit einem Joint-Venture-Partner für gut zehn Jahre der alleinige Lieferant für Übergänge für die dortigen Hochgeschwindigkeitsbahnen. In den vergangenen zehn Jahren folgten dann weitere Niederlassungen unter anderem in Schweden, Italien, Frankreich und Indien. Reinhard Hübner: „Global denken, lokal den Kunden zur Verfügung stehen. Das beschreibt auch unsere Firmenphilosophie heute.

HÜBNER heute

Im Jahr 2021 ist HÜBNER nicht nur führend im Bereich Übergangssysteme für Busse und Schienenfahrzeuge, sondern auch anerkannter Spezialist für anspruchsvolle Lösungen und Produkte aus Elastomeren, Isolations- und Verbundwerkstoffen sowie Lieferant für Anwendungen in der Laser- und Terahertz-Technologie. Insgesamt beschäftigt die Unternehmensgruppe mittlerweile über 3.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Reinhard Hübner: „Und viele von ihnen bleiben dem Unternehmen für 30, 40 Jahre und mehr treu – das beste Zeichen für einen guten Familienbetrieb.“ Hübner selbst hat das operative Geschäft bereits seit Jahren an familienfremde Geschäftsführer – Helge Förster, Ingolf Cedra und Gerald Steinhoff – abgeben und steht einem Beirat vor, der die strategischen Leitlinien vorgibt. Im Jubiläumsjahr sind unter anderem Aktionen wie ein kostenloser ÖPNV-Tag für alle Fahrgäste am Unternehmenssitz in Kassel geplant.


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